Tipps fürs Schengenvisum und die legale Heirat mit deiner Thaifreundin – Interview mit Uwe Klemm

Heirat mit einer thailändischen Frau tipps schengenvisum

Inzwischen bin ich seit mehr als 7 Jahren verheiratet und dennoch kann ich mich noch gut daran erinnern, wie kompliziert es war die Legalisierung unserer Heirat zu organisieren.

Unvergessen bleibt dabei mein Besuch auf dem Standesamt meines Heimatortes, während eines 1-wöchigen, geschäftlichen Aufenthalts in Deutschland. Ich ging einen Tag vor Rückflug zum Gemeindeamt und bat darum mir ein Ehefähigkeitszeugnis auszustellen. Wohlgemerkt für mich….

Die nette Dame sagte: „Kein Problem“. Ich sagte: „Super, meine zukünftige Frau ist aber nicht aus Deutschland“. Darauf sie: „Oh!“ und nahm einen dicken Ordner aus dem Regal, „woher kommt denn ihre Verlobte?“

Auf meine Antwort: „Aus Thailand“ wurde der dicke Ordner wieder zurückgestellt und stattdessen mit einem tiefen Seufzer ein doppelt so dicker Ordner aus dem Regal gewuchtet….

Und dann erhielt ich mehrere Seiten voller Unterlagen, die für die Ausstellung meines Ehefähigkeitszeugnis gebraucht würden. Darunter auch die Ledigkeitsbescheinigung meiner zukünftigen Frau.

Warum das deutsche Standesamt die Bestätigung der Ledigkeit meiner Frau für die Bestätigung MEINER Ehefähigkeit benötigt das ist mir bis heute ein Rätsel.

Jedenfalls habe ich an diesem Tag kein Ehefähigkeitszeugnis bekommen und musste unverrichteter Dinge wieder nach Thailand fliegen.

Etwa 7 Monate und einige hundert Euro später waren dann alle Unterlagen beisammen, übersetzt und beglaubigt, zurück übersetzt, gegenbeglaubigt und wir waren offiziell in Thailand und auch in Deutschland verheiratet.

Die Eheschließung mit einer thailändischen Frau ist leider alles andere als ein einfacher Prozess und birgt viele Hürden und Hindernisse.

Interview mit Uwe Klemm – Tipps für die Eheschließung mit Thais

Diese Erfahrung musste auch Uwe Klemm machen, als er seine Frau heiratete. Seine Erfahrungen und den gesamten Ablauf hat er dokumentiert und durch viele Recherchen und Gespräche ergänzt einen Ratgeber geschrieben, der anderen Paaren dabei hift die Hürden der Bürokratie leichter zu überwinden. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Ganz aktuell hat Uwe auch noch einen zweiten Ratgeber herausgebracht, der sich mit dem ebenfalls sehr wichtigen Thema der Beschaffung eines Schengenvisums für die thailändische Freundin beschäftigt. (Hier kannst du dir den Ratgeber ansehen)

Denn auch wenn überhaupt keine Hochzeit im Raume steht und es nur um eine ganz normaler Urlaubsreise nach Europa geht ist dies nicht so ohne weiteres möglich.

Leider ist auch dieses Thema nicht so einfach und in sehr vielen Fällen werden Visaanträge abgelehnt.

Warum dies so ist, was man dagegen tun kann und welche Tipps und Tricks er sonst noch auf Lager hat, darüber habe ich mich mit Uwe unterhalten.

Die wichtigsten Tipps aus dem Interview:

1. Gute Vorbereitung ist alles

Je besser du vorbereitet bist, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass es mit dem Visum klappt bzw, dass die Kosten und Zeitaufwand für die legale Eheschließung im Rahmen bleiben.

2. Die Dokumente auf Vollständigkeit und Richtigkeit überprüfen

Die angefragten Dokumente können sich ändern bzw unterscheiden sich teilweise je nach Behörde und Ausgangssituation, darum ist es sehr wichtig genau zu wissen, was gebraucht wird und ob alles korrekt vorhanden ist. Darüber hinaus unbedingt die richtige Schreibweise z.B. von Namen überprüfen lassen. Sollte es in den Unterlagen fehlerhafte Schreibweisen geben werden diese abgelehnt und müssen neu ausgestellt werden, was weitere Kosten und Zeitaufwand bedeutet.

3. Unbedingt überprüfen ob die Partnerin bereits einmal legal verheiratet war und wenn ja, ob diese Ehe rechtsgültig geschieden wurde

Viele Ehen werden in Thailand gar nicht erst eingetragen. Und wenn sie legal auf dem Bezirksamt (Amphö) eingetragen wurden, dann werden sie oftmals bei einer Trennung nicht rechtskräftig geschieden. Man geht seiner Wege und das wars. Darum vor einer erneuten Heirat unbedingt klären ob dies vorab noch geschehen muss.

4. Der Knackpunkt bei der Ausstellung des Schengenvisums ist die Rückkehrbereitschaft

Grundsätzlich gehen die (deutschen) Behörden wohl eher davon aus, dass eine Rückkehrbereitschaft in den meisten Fällen nicht gegeben ist. Um also ein Visum zu bekommen gilt es die Behörden zu überzeugen, dass es gute Gründe für eine Rückkehr gibt.

5. Ganz wichtig ist der Eindruck, den die Antragsstellerin auf der Botschaft macht

Die thailändische Antragsstellerin sollte sich möglichst dezent kleiden, keinen übermäßigen Goldschmuck, keine tiefen Ausschnitte oder Miniröcke und sollte sich bemühen eine angemessene, höfliche Sprache zu wählen.

Klingt vielleicht oberflächlich, aber sofern eine Dame den Anschein erweckt aus dem käuflichen Gewerbe zu stammen bzw aus einer der ärmeren, gesellschaftlichen Schichten (und somit mittellos zu sein) so wird das Visum in fast allen Fällen abgelehnt.

Und hier findest du die wichtigsten Links aus dem Video:

Die Bücher von Uwe Klemm auf Amazon (als Taschenbuch und Kindle)

Wie heirate ich (m)eine Thai – Insider Wegweiser durch den Papierkram

Schengenvisum für (D)eine Thai – Insider Wegweiser durch den Papierkram

Auszeit vom Job – Lebe deinen Traum: Sabbatical statt Burn Out

Die Buchkritik auf Farang.com:

http://der-farang.com/de/pages/wie-heirate-ich-meine-thai

Die Webseiten von Uwe Klemm:

http://www.uwe-klemm.eu

http://myasia.uwe-klemm.eu

Ich hoffe, dass du einige wichtige Tipps aus dem Interview mitnehmen konntest. Welche Erfahrungen hast du mit dem Visaantrag und der Legalisierung der Ehe gemacht?

Interview mit Paul Meyns. Ein deutscher Auswanderer in Pattaya – Teil3

AUswandern nach Pattaya - Interview mit Pail MeynsTeil 3

Das ist der 3. Teil des Interviews mit Paul Meyns von auswandern-thailand.com, einem Deutschen, der mit Frau und Kind nach Thailand ausgewandert ist. Das Interview ist sehr spannend und ausführlich, warum ich es der besseren Lesbarkeit wegen in 3 Teile unterteilt habe.

In Teil 1 beschreibt Paul, wie es in nach Thailand verschlagen hat, wo er lebt und wie es ihm dort gefällt.
In Teil 2 dreht sich alles darum wie Paul seinen Lebensunterhalt bestreitet, ob er Thai spricht und was die Besonderheiten des Lebens mit Kind in Thailand sind.
In Teil 3 geht es dann darum, wie es Paul in Thailand insgesamt gefällt, ob er sich vorstellen kann für immer hier zu bleiben und seine Tipps für alle, die ebenfalls Auswandern möchten.

 9. Was gefällt Dir an Deinem Leben in Thailand? Was weniger? Gibt es etwas das Du vermisst?

Was mir gefällt, sind einmal die schon genannten gesundheitlichen Vorteile. Die Wärme ist das Wichtigste, die pure Sonne muss ich nicht unbedingt haben. Jetzt in der sog. Regenzeit, die in Pattaya ja immer sehr moderat ausfällt, ist es für mich oft genau richtig: warm, aber nicht heiß.

Was mir überhaupt nicht gefällt, ist der Umgang der Thais mit Abfall, Müll und Lärm, was eine andere Art von Abfall ist. Hier sind die schmalen Bürgersteige, z. B. an der Jomtien 2nd Road so kaputt, dass man dauernd auf die Fahrbahn ausweichen muss. Diese riesigen, kratergroßen Löcher und Baustellen bestehen anscheinend seit Jahren und sind mit Abfällen, Unrat und Wasser gefüllt und das Gras wächst heraus. Hinter unserer Condo-Anlage sind noch etliche freie Grundstücke, teilweise mit kleinen Seen. Die Grundstücke, die Seen und die Straßen werden von den Thais als beliebte Mülldeponien angesehen und täglich mehr zugeschüttet. Die Natur ist den Menschen hier keinen Cent wert. Dieses Verhalten stört mich immer noch oder immer wieder, aber grundsätzlich wusste ich vorher, dass es in Thailand und Süd-Ost-Asien so ist. Es war vor vierzig Jahren in Italien nicht viel anders, viel Müll an Stränden und Straßen. Allerdings waren die Straßen, Häuser und Plätze dort immer schon sehr schön anzusehen und eine Klasse für sich. Sehenswerte Architektur und ansprechende Bauten, schön gestaltete Straßen und Plätze, das fehlt hier in Pattaya und in Thailand generell völlig.

Was ich vermisse ist Kultur, d. h. schöne Kunstausstellungen von namhaften Künstlern in wunderbaren Museen oder Ausstellungshallen. Die vielen Wats und Tempel in Thailand sind schön und gut, aber auf Dauer genauso einseitig und langweilig, wie immer nur Kirchen oder Klöster anzuschauen.

Nahrungs- oder Genussmittel, die man hier nicht bekommt, lass ich mir gelegentlich von Freunden aus Deutschland mitbringen. Also an bestimmter Schokolade, an gutem Käse oder Salami fehlt es letztlich nicht. Und mein Jeeper auf manche Dinge hat auch nachgelassen.

10. Planst Du für immer in Thailand zu bleiben oder könntest Du Dir auch vorstellen wieder nach Deutschland zurück zu kehren?

Diese Frage kann ich nach gut einem Jahr überhaupt noch nicht beantworten. Ich kann mir vorstellen lange hier zu bleiben, ob in Pattaya oder anderswo entlang der Ostküste völlig offen. Ich kann mir gut vorstellen woanders in Thailand zu leben, aber eher in oder in der Nähe einer größeren Stadt. Chiang Mai hat mir gut gefallen, Udon Thani, Surin oder andere größere Städte im Isaan weniger. Aber man kann dort überall gut leben, wenn man einen schönen Platz für sich gefunden hat. Für die meisten wird der eher auf dem Land in der Nähe dieser Städte liegen. Soweit bin ich noch nicht. Unser Grundstück im ländlichen Isaan, auf den Namen unseres Sohnes gekauft, wird von der Familie bewirtschaftet und es wachsen Mangos, Bananen, Süßkartoffeln und vieles andere dort und das wird so bleiben.

Es wird auch sehr von unserem Sohn abhängen, wenn er nächstes oder übernächstes Jahr in die Schule gehen muss, wo wir leben werden. Bis dahin werden wir wissen, ob wir als Schulstandort Deutschland oder Thailand für ihn wollen. Und dort werden wir dann auch den größten Teil des Jahres leben. Leider sind die Ferien in D. so zerhackt und übers Jahr verteilt und es gibt keine wirklich langen Sommerferien wie in anderen Ländern, in denen man dann länger nach Thailand gehen könnte. Hinzu kommt: Meine Frau lebt ohnehin viel lieber in Deutschland und es wäre überhaupt kein Problem für sie wieder dort zu leben, auch weil sie dort leichter eine Arbeit findet und zu besseren Bedingungen als in Thailand. Und das kühl-nasse Wetter, ist nur ein Thema für Deutsche. Thais gehen da anscheinend anders mit um. Sie hat noch nie in D. gefroren oder auch nur einen Tag übers Wetter gejammert.

11. Hast Du abschließend ein paar Tipps für auswanderungswillige Leser bereit?

Man sollte vorher unbedingt ein paar Mal im Land gewesen sein und möglichst sich schon vorher mehrere Orte angesehen haben. Man sollte die Übersiedlung, egal ob ganzjährig oder nur für mehrere Monate jedes Jahr, sehr genau planen. Vor allem sollte man seine Finanzen nicht rosig rechnen, denn das Leben ist in Thailand für Farangs wesentlich teurer als für Thais, weil wir nicht so “ärmlich” leben können und wollen wie diese. Früher wurden mal 300, dann 500, jetzt 800 Euro als gesamte Lebenshaltungskosten für Thailand genannt, mit denen man hier gut (!) leben könne. Ich rede hier nicht von den reinen Kosten für Nahrung, Unterkunft und Kleidung, sondern denke dabei an alle möglichen Kosten, auch wenn manche nur unregelmäßig oder selten auf einen zukommen.

Ich würde sagen, auch mit 800 € muss man sich schon deutlich einschränken und darf nur noch jeden Tag Reissuppe und Nudeln an einer Garküche essen. Vor allem, wenn man die Kosten für eine Krankenversicherung hinzu rechnet und das sollte man unbedingt. Auch ein eventuell mal notwendiger oder erwünschter Rückflug und dessen Kosten werden meistens großzügig übersehen und bleiben außen vor. Und wenn, dann werden nicht wirklich alle Kosten zusammen gezählt. Ein Flug besteht nicht nur aus dem Preis für das Ticket, da kommen noch die Kosten für An- und Abfahrten, Versicherungen, Verzehr, evtl. Zwischen-Unterkunft und andere Dinge hinzu. Das läppert sich.

Und mit Kindern kann Thailand sehr, sehr teuer werden, vor allem, wenn man europäische Standards an Schulbildung anstrebt. Schulgeld von bis zu 800 € monatlich sind nichts Ungewöhnliches. Und drei Krankenversicherungen, die in Thailand und mindestens einige Wochen jedes Jahr auch in Deutschland gelten, kosten eine Menge Geld. Wir zahlen aktuell rund 550 € und das ist vergleichsweise noch nicht mal viel. Wer über 65 oder 70 ist, kann das leicht schon für eine Person aufbringen müssen jeden Monat. Eine abgespeckten Thai-Versicherung, wo beispielsweise nur ein stationärer Aufenthalt bis zu gewissen Höchstsummen versichert ist, ist einiges billiger. Aber dafür hat man eben auch ein größeres Risiko, dass man damit nicht hinkommt. Nehme ich einen meiner drei schweren Unfälle, weiß ich, dass ich das hätte in Thailand nicht behandeln lassen können und hätte die Thai-Versicherung dann auch die Behandlung in Deutschland plus anschließender Reha bezahlt. Vom Flug ganz zu schweigen. Wohl kaum!

Für viele Ältere ist Thailand dennoch die beste aller Lösungen, die haben sich gut eingerichtet hier und kommen klar. Das gilt für die Mehrheit, aber eben nicht für alle. Eine nicht gerade kleine Minderheit an älteren (oft auch schon jüngeren) Farangs kommt eben nicht so gut zurecht. Hier nicht und wahrscheinlich in ihrer Heimat auch nicht. Manche führen auf Grund des engen Finanzrahmens notgedrungen einen eher ärmlichen Lebensstil, das macht meistens nicht glücklich und andere fassen nicht richtig Fuß hier. Da wird dann vieles mit Alkohol und Sex, wenn das Geld dafür noch reicht, immer wieder zugedeckt. Bis es irgendwann nicht mehr geht. Etliche leben ein eher karges Leben hier und ich glaube nicht, dass sie sich ihren Lebensabend wirklich so gewünscht haben. Für das nächste Non-Immigrant-Visa muss man ein Bankguthaben von bis zu 800.000 Baht nachweisen können und sich u. U. dieses immer wieder bei Bekannten zusammen leihen und für drei Monate auf das eigene Thai-Konto packen, weil man diese Bescheinigung der Bank über die Ersparnisse braucht. Oder man spart auf einige tausend Baht, um das Visum in der Immigration “unter dem Tisch zu kriegen”. Das macht jedes Jahr enormen seelischen Druck, vor allem, wenn es mal nicht mehr klappen sollte.

Ich kenne hier Rentner, über 70, die haben einige tausend oder eher zehntausend Euro Ersparnisse und sich genau ausgerechnet wie viele Jahre sie ihren Pattaya-Lifestyle mit Wein, Bier und Weib noch so weiterführen können. Und wenn in einigen Jahren das Geld verpulvert ist, werden die meisten vermutlich nicht sagen, ach, waren das schöne Jahre hier und ich bin dankbar dafür und jetzt lebe ich halt die kommenden Jahre ohne all diese schönen Dinge weiter bis an mein Ende. Das dürfte schwer werden, vor allem, wenn dann noch gesundheitliche Probleme, die bei etlichen irgendwann hinzu kommen.

Irgendwann wird der thailändische Staat womöglich eine Krankenversicherung zur Pflicht machen und dann dürften mindestens 50 % der über 65jährigen hier finanziell nicht mehr zurecht kommen und nach Deutschland zurück müssen. Dieses Damoklesschwert ist noch einigermaßen weit weg, aber nicht ganz unrealistisch.

Und man sollte, auch wenn es einem manchmal schwer fällt, lernen, über vieles hinweg zu sehen, was hier nicht klappt oder einfach anders ist. Sonst macht man sich das Leben zu schwer und wird zu einem freudlosen Nörgler. Und wer die Männergruppen an den Beaches und in den Bars kennt, die dort jeden Tag aufschlagen, der weiß, dass meistens geschimpft wird, auf alles in Deutschland sowieso und auf Thailand im Besonderen.

Das soll nicht heißen, dass man alles gut finden soll, wie es hier ist. Man muss halt wie sonst auch im Leben differenzieren können, zwischen dem was einfach Thailand und seine Menschen ausmacht und auszeichnet und dem was abstellbare und nicht tolerierbare Mängel sind. Wenn zum Beispiel in einer Condo-Anlage kein einziger Feuerlöscher greifbar oder installiert ist, bzw. alle nicht mehr zulässig sind, da viel zu alt und sie nie überholt wurden, dann sollte man das nicht mit DiT, “Das ist Thailand” und mit einem herzhaften Lachen übergehen. Denn das ist einfach nur kriminell und sonst gar nichts und muss dringend geändert werden.

Paul, vielen Dank für das Interview!

Hier findest Du Teil 1 und Teil 2 dieses Interviews.

Interview mit Paul Meyns. Ein deutscher Auswanderer in Pattaya – Teil2

 

Das ist der 2. Teil des Interviews mit Paul Meyns von auswandernthailand.coAUswandern nach Pattaya - Interview mit Paul MeynsTeil 2m/, einem Deutschen, der mit Frau und Kind nach Thailand ausgewandert ist. Das Interview ist sehr spannend und ausführlich, warum ich es der besseren Lesbarkeit wegen in 3 Teile unterteilt habe.

In Teil 1 beschreibt Paul, wie es in nach Thailand verschlagen hat, wo er lebt und wie es ihm dort gefällt.
In Teil 2 dreht sich alles darum wie Paul seinen Lebensunterhalt bestreitet, ob er Thai spricht und was die Besonderheiten des Lebens mit Kind in Thailand sind.
In Teil 3 geht es dann darum, wie es Paul in Thailand insgesamt gefällt, ob er sich vorstellen kann für immer hier zu bleiben und seine Tipps für alle, die ebenfalls Auswandern möchten.

5. Hast Du vielleicht ein paar “Geheimtipps für Pattaya”, die der normale Urlauber nicht kennt?

Da fallen mir viel eher die hässlichen Seiten und Orte von Pattaya ein, als die schönen, denn die sind rar gesät. Pattaya bietet vieles, aber nichts wirklich Schönes. Keine schöne Architektur, keine alten oder auch neuen Gebäude mit Charakter und Klasse, sondern oft das genaue Gegenteil. Keine schönen Straßen und selbst die Strände sind eng und hässlich und das Wasser oft verschmutzt. Das ist leider die Wahrheit, die viele, die hier als Expats leben nicht gerne hören und das lieber ausblenden und noch ein “Leo” oder „Chang“ bestellen. Es gibt hier eigentlich nichts, was mit irgend einer deutschen oder europäischen Großstadt mithalten könnte. Nicht einen schönen Park, außer Nong Nooch außerhalb, aber das ist auch kein Park wie ihn jede Großstadt hat, zum spazieren gehen, Ball spielen, sonnenbaden, Fahrrad fahren oder auf einer Parkband in die Sonne blinzeln. Das ist eher ein Disneyland-Park, klein, auf engstem Raum und alles künstlich auf Park gestylt. Und Asiaten glauben wahrscheinlich auch, dass Parks immer so künstlich und wenig natürlich aussehen. Das mögen die Asiaten anscheinend so bzw. sie kennen es nicht anders.

Wäre Thailand in seiner Geschichte ähnlich wie Vietnam, Kambodscha und Thailand von einer europäischen Kolonialmacht beherrscht worden, hätte man sicherlich baulich in Bangkok und anderen Städten viele schöne Häuser und intakte Straßen der Gründerzeit erhalten. So hat Thailand immer in seinem eigenen Saft geschmort und hat dadurch viele Impulse verpasst. Und eine weitere These: Hätte es die Kolonialkriege der Franzosen in den 50er Jahren in Indochina und dann der Vietnamkrieg der US-Amerikaner nicht gegeben, wäre die wirtschaftliche Entwicklung Vietnams als ein Beispiel sicherlich viel dynamischer gewesen und Thailand hätte dann nicht von der Rückständigkeit Indochinas profitieren und sich so entwickeln können, wie es jetzt passiert ist.

Aber noch ist die Geschichte Süd-Ost-Asiens nicht geschrieben, alles entwickelt sich dynamisch weiter und die alten französischen Kolonial-Staaten holen gewaltig auf und könnten Thailand eines Tages einholen oder sogar überholen.

Jetzt habe ich ein wenig abgeschweift. 🙂 Meine Tipps für Pattaya sind eher kleinere Sachen, keine Blockbuster dabei. So gefällt mir der Fischmarkt in Naklua, also in Nord-Pattaya gut. Der ist uralt und hat damit einen eigenen Charakter. Man läuft teilweise durch die engen Gänge mit den Meerestieren links und rechts über Bretter und Bohlen, darunter ist Wasser. Man kann mit dem Baht-Bus vom Delphin-Kreisel am Eingang zu Naklua dorthin fahren, vielleicht 3 km bis zum Lan Pho Public Park der direkt davor in einer Kurve liegt.

Der Fischmarkt in Naklua findet täglich statt. Eine große Auswahl an fangfrischen Fischen, Muscheln, Krebse und Gemüse sind hier zu günstigen Preisen zu bekommen. Einige Restaurants sind auch vertreten. Auf den Karten wird Naklua oft auch Nah Klua oder Na Kluea geschrieben.

Gerne sind wir auch zur Abwechselung und zum Einkauf des täglichens Bedarfs nach Pattaya zur Pattaya Tai, Ecke Soi Buakhao gefahren. Kurz dahinter liegt der Soi Buakhao Market, den es immer nur Dienstags und Freitags tagsüber gibt.

Hier werden Kleidung, Haushaltswaren, Spielzeug, Essen, Musik CDs und alles Mögliche für den täglichen Gebrauch angeboten. Auch einige Bargirls sind hier anzutreffen, um dort das über Nacht verdiente Geld in neuen Schuhen oder Kleider zu investieren. Meistens ist aber auch die „Große Urlaubsliebe“ bei der morgenlichen Einkaufstour mit dabei, wo dann die Shoppingtour etwas größer ausfällt, da der „Custumer“ ja alles bezahlt.

In Pattaya ist es schön, ab und zu mal auf den Hügel zum Big Buddha zu fahren, dem höchsten Punkt der Stadt. In der Nähe, etwas darunter und davor, befindet sich auch der Pattaya Aussichtspunkt. An beiden Orten kann man sich ein wenig bewegen und abschalten, einen Hauch von Natur und vor allem den großartigen Blick über die Bay von Pattaya genießen. Allerdings ist gerade ein Riesenhotel im Bau, dass diesen ungestörten Blick bald kräftig stören und unmöglich machen wird. In Pattaya sind Geld und Gewinne stets wichtiger als jede Stadtplanung und der Erhalt der wenigen natürlichen Attraktionen. Und die „blöden Touristen“ werden ja eh weiterhin kommen, davon wird grundsätzlich hier ausgegangen und damit ist das Thema erledigt.

Ansonsten muss man weiter fahren, wenn man etwas schönere, breitere oder ruhigere Strände sehen will. Entweder in Richtung Satthahip und Rayong im Osten oder westlich nach Sri Racha oder Bang Saen. Die Qualität des Wassers und der genannten Strände variert stark. Oder man fährt auf die sehr schnell vom Bali Hai Pier in Pattaya zu erreichende Insel Koh Lan oder die mit einer Autofahrt verbundene Überfahrt zu Koh Samet, Richtung Rayong. Beides hat seine Reize und ist eine schöne Abwechselung, vor allem in der Woche. Am Wochenende kommen die Tagestouristen aus Bangkok, dem nördlichen Thailand und dem Isaan. Dann wird es laut und voll, es wird gern und viel Whisky getrunkenen und oft laut eine bestimmte bei Thais beliebte Disco-Musik gespielt.

6. Wovon bestreitest Du Deinen Lebensunterhalt in Thailand?

Wir leben von meinen Altersbezügen und wenn es nicht reicht geht es zur Not an die Substanz, an die Rücklagen. Ich arbeite hier nicht, ist ja auch strikt verboten, selbst ohne Bezahlung dürfte man nicht arbeiten, mit einem Non-Immigrant-Visum-O. Meine Frau hat bislang keine angemessene Arbeit gefunden, wo sie ihre bislang guten deutschen Sprachkenntnisse einbringen kann. Leider sind die thailändischen Arbeitgeber sehr starr in ihrem Denken. Sie wollen einen Angestellten am liebsten für wenig Geld, aber dann den ganzen Tag und möglichst sieben Tage die Woche “kaufen” und frei nach ihrem Gusto über ihn verfügen.

Eine Arbeitszeit von früh morgens von 7 oder 8 h bis abends um 20 oder 21h wurde ihr angeboten, als Dolmetscherin in einem Hospital in Pattaya für deutsch-, im Einzelfall auch für englisch-sprachige Patienten. Sie hätte aber ständig im Hospital in einer Art Rufbereitschaft bleiben müssen und sich dort bereithalten müssen für einen eventuellen Einsatz. Also insgesamt vermutlich zu 80 % Leerlauf jeden Tag. So ähnlich wie das in Thailand im Einzelhandel jeden Tag zu beobachten ist, wo die Verkäufer gelangweilt stundenlang auf einen Käufer warten müssen. Aber wer in Deutschland gearbeitet hat, der hat dazu verständlicherweise keine große Lust mehr, denn es würde bedeuten, dass meine Frau unseren Sohn praktisch nur noch an den wenigen freien Tagen überhaupt zu sehen bekäme. Für uns nicht akzeptabel, selbst bei einem überdurchschnittlichen Gehalt, was angeboten wurde, nicht.

7. Sprichst Du Thai? Wenn ja, wie hast Du es gelernt? Wenn nein, siehst Du das als problematisch für Dein Leben in Thailand an?

Ich spreche kein ausreichendes Thai, außer einigen Floskeln für den täglichen Umgang. Meine thailändische Familie hat das schon seit langem kritisiert, sie wollen sich gerne mit mir direkt unterhalten können, sagten einige. Nur ein Wort jeden Tag bräuchte ich doch lernen, hat ein Onkel mal vorgeschlagen. Dabei ist es geblieben. Ich weiß, dass ich in jungen Jahren Sprachen leicht in mich aufsaugen konnte, egal wo ich in Urlaub war. Aber das waren Sprachen der europäischen und lateinischen Sprachfamilie. Komme ich heute nach Spanien, Italien oder auch Niederlande oder Dänemark, lerne ich jeden Tag im vorbeigehen neues. Das ist ganz leicht.

Aber das Thailändische hat damit nun überhaupt nichts gemein und dann auch noch die andere Schrift. Und wenn ich in Kambodscha oder Laos bin, ist dort die Sprache und die Schrift noch wieder anders. Also da fehlte mir bisher die Motivation. Allerdings habe ich mir hier auch Unterrichtsstunden bei drei verschiedenen Thai-Lehrern in den angesagten Instituten probeweise angesehen. Das hat mich nicht überzeugt, die Lehrmethoden sind von anno dazumal, das ist eine umständliche Quälerei und müsste mit modernen Methoden leichter und schneller gehen. Habe einen Tipp für ein modernes Institut in Bangkok bekommen, das werde ich mir mal ansehen.

Und mit meiner Frau ging das Lernen noch nie gut, das gibt zu schnell Streit. Und sie will es auch nicht, sie hat auch ihr Deutsch in Deutschland sehr gut in den Pflicht-Sprachschulen gelernt und nur ein wenig mit und von mir. Und da ist sie stolz drauf. Einige Thais und andere Zuwanderer lernen dort dennoch sehr wenig deutsch, selbst nach 800 oder 1000 Stunden. Das liegt immer auch an der eigenen Motivation und Einstellung und auch daran, wieviel und welche Schulbildung man früher in Thailand genossen hat, welche Voraussetzungen man mitbringt. Ob man das Lernen überhaupt gelernt hat. Und ich behaupte es liegt auch daran, ob man den Kurs vom deutschen Staat kostenlos kriegt oder ob man dafür voll bezahlen muss, wie es bei uns war. Zahlt man selbst, hat man sofort eine andere Einstellung und will auch etwas erreichen.

8. Du bist ja mit Kind ausgewandert. Welche besonderen Schwierigkeiten waren bzw. sind damit verbunden?

Wie schon angedeutet, war es nicht leicht einen guten Kindergarten für unseren Sohn hier zu finden. Wir haben uns etliche vorher angesehen und dennoch zunächst voll daneben gegriffen. War einerseits aber auch hilfreich, weil ich jetzt genau weiß, wie so ein Tag eines kleines Kindes in einem eher durchschnittlichen staatlichen thailändischen Kindergarten aussieht. Ganz schrecklich, denn die meiste Zeit musste unser Sohn dort stillsitzen, solltte überdies still sein und sollte sich immer nur das ansehen und anhören was zwei Lehrerinnen, hier gibt es ja keine Erzieherinnen, vormachen und höchstens mal im Chor etwas nachplappern. Im ersten Kindergarten waren etliche Kameras in jedem Raum des Kiga untergebracht und so konnten die Eltern das zu Hause live mit erleben. Nach gut drei Wochen dieser Tortur haben wir ihn herausgenommen, denn ein Gespräch mit der Leitung erwies sich als sinnlos. Die verstehen unsere Bedenken und Wünsche gar nicht, man redet aneinander vorbei, ach wenn auf Thai gesprochen wurde. Die Lehrerinnen dort kennen es eben selbst nichts anders, sind ihrem Denken verhaftet und da sind uns die kulturellen Unterschiede im Denken und Fühlen zwischen Asiaten und Nordeuoropäern sehr deutlich ins Auge gesprungen.

Schlecht ist ferner, dass wir soweit von den anderen Kindern und dem Kiga entfernt leben, dass außerhalb des Kiga ein Kontakt schwierig ist und meistens ausbleibt. Das war in D. im Stadtteil leichter, auch wegen der öffentlichen Verkehrsmittel, die es hier ja überhaupt nicht gibt. Oder wie soll man zur “Dark Side”, mit den unendlich vielen neuen Village-Ghettos auf der anderen Seite der Sukhumvit und der Bahnlinie von Pattaya kommen, außer mit Auto oder Motorbike bei ständig dichtem Verkehr und verpesteter Luft dorthin und zurück.

Ferner kennt man in Thailand keine öffentlichen Spielplätze! Es gibt sie einfach nicht. Wenn, dann sind es welche in privaten in Condo-Anlagen oder Villages. Das ist schrecklich für Kinder in der Stadt. Und Radfahren oder Fußballspielen, was er in D. so gerne draußen gemacht hat, geht hier auch überhaupt nicht. Alles ist zugebaut oder man darf oder kann verwaiste, unbebaute Grundstücke nicht betreten. Es auch gibt keine freien Sport- oder Bolzplätze, keine Fahrradwege, nicht mal halbwegs passierbare Bürgersteige. Meistens viel zu schmal, oder ohnehin kaputt, baufällig mit riesigen Kratern oder vollgestellt mit Masten, Kästen, Mülltonnen etc.

Und so sitzen die meisten Thai-Kinder in der Stadt vor der Glotze oder haben ein Tablet vor sich. Bewegung und Bewegungsspiele dürften die ihre ganze Kindheit über nicht kennen lernen. Für Thais normal, für Europäer ganz schrecklich. Vielleicht gleichen die Schulen oder der Schulsport einiges aus, aber ich habe da größte Zweifel, was ich so gesehen habe. Alles ist sehr auf Disziplin ausgerichet, da werden die Energien der Kinder immer nur ausgebremst. Auf dem Land sieht es da teilweise besser aus. Dort ist wenigstens mehr Raum sich zu bewegen und mit einem alten Fahrad herum zu fahren, falls ein Kind dort so etwas hat.

Positiv war es die ersten zwei Jahre seines Lebens bei unseren Besuchen in Thailand zu sehen, wie vernarrt die Thais, speziell die Frauen in unseren Farang Noi, dem kleinen Farang, sind. Jeder, ob in Bangkok oder in einem Dorf, wollte ihn auf den Schoß haben und anfassen. Das hat aber jetzt mit drei und vier Jahren stark nachgelassen bzw. aufgehört. Es ist vermutlich so wie mit kleinen Hunden, die hier auf den Märkten angeboten werden. Die sind als Babies ganz süß und knutschig und jeder will gerne eines haben und anfassen, aber nach zehn Monaten wird der fast ausgewachsene Hund auf die Straße geschickt und darf sehen wie er alleine klar kommt. Ich weiß, das klingt böse, aber es hat mich daran erinnert, weil ich den Umgang mit Hunden hier genau so erlebt habe. Aber unser Sohn hat ja primär seine Eltern und die lieben ihn für immer und ewig, egal was immer passieren mag.

Positiv ist auch, dass er dank des Hastin Kindergartens jetzt neben Deutsch auch Thailändisch nahezu perfekt und auch Englisch schon gut spricht. Kleine Unterhaltungen kann er jetzt auch in Englisch bestreiten und man kann ihn auf Englisch ansprechen und er antwortet auf Englisch. Das ist toll und macht uns mächtig stolz und das hätte er in Deutschland mit drei und vier Jahren nicht gehabt und nicht lernen können. Thai natürlich nicht und Englisch nur, wenn wir ihn dort in einen privaten internationalen Kindergarten geschickt hätten. Die staatlichen deutschen Kigä bieten ja meistens nur ein „Early English“ mit fünf Jahren zwei Stunden die Woche an. Das ist gar nichts. Viel zu spät und viel zu wenig. In der frühkindlichen Bildung ist Deutschland immer noch kein moderner internationaler Wirtschaftsstandort, sondern ein stehengebliebenes Agrarland und teilweise auf dem Niveau von Russland und ähnlich rückständigen Ländern. Allerdings dürften die meisten Staaten der EU da fürchterlich weit hinten sein, außer den nordeuropäischen Ländern vermutlich.

Und positiv ist auch, dass er hier in Thailand fast jeden Tag in den Pool gehen kann. Weil das Wetter ganzjährig das Baden möglich macht und weil es hier zwei große Pools mit unterschiedlichen Tiefen und Bereichen in der Condo-Anlage gibt. Und nach Wasser ist er immer noch verrückt. Im Kiga kann er allerdings auch einmal die Woche ins Wasser, da freut er sich schon am Tag vorher drauf. Allerdings scheut er zu unserem großen Leidwesen die 300 oder 400 Meter zum Strand und zum Meer. Er hat beim Baden letztes Jahres nach unserer Ankunft jedes Mal im Meer ein Hautjucken bekommen und wollte dann schon bald überhaupt nicht mehr ins Wasser. Und seitdem steht er dem Meer, dem Baden, aber auch dem Sand am Strand etwas skeptisch und zurückhaltend gegenüber. Das finde ich sehr schade, weil er damit auch oft keine Lust hat, einfach nur am Strand ein wenig mit mir zu Laufen. Und ich laufe gerne am Strand entlang, insbesondere wenn Ebbe ist und wenn dort bei den extrem schmalen Stränden in Pattaya/Jomtien mal herrlich viel Platz ist.

Ich habe ja mit ihm zuletzt einige Male in Jomtien und neulich auch in Hua Hin gebadet, das Hautjucken hat er nicht mehr reklamiert, aber in Jomtien schwamm manchmal Wasser voller Plastikfetzen -tüten um uns herum. Das finde ich überhaupt nicht schön. Und das Wasser sieht hier eben auch einfach dreckiger aus, als auf Koh Lan an den dortigen Stränden beispielsweise. Übrigens haben uns Erwachsene auch vereinzelt von einen Juckreiz nach dem Baden berichtet und wenn ein badebegeistertes kleines Kind so etwas sagt, dann hat es das bestimmt nicht erfunden. Wir selbst haben es bei uns nicht bemerkt.

Hier findest Du Teil 1 und Teil 3 dieses Interviews.

Interview mit Paul Meyns. Ein deutscher Auswanderer in Pattaya – Teil1

AUswandern nach Pattaya - Interview mit Paul MeynsTeil 1

Im heutigen Interview erzählt Paul Meyns von seiner Auswanderung nach Thailand. Paul ist 2013 nach Thailand ausgewandert, hat dies anders als Werner, der ebenfalls bereits auf Phuketastic ueber seine Auswanderung nach Bangkok geschrieben hat, nicht alleine getan, sondern den Schritt gemeinsam mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn gewagt. Über seine Erfahrungen in Thailand berichtet er auch auf auswandern-thailand.com. Regelmäßige Beiträge über Thailand gibt es auch auf seiner Facebook Seite und bei Google plus.

Das Interview ist richtig spannend zu lesen, mit vielen wertvollen Einblicken für jeden der mit dem Gedanken an eine Auswanderung spielt. Da es sehr lang geworden ist habe ich es in drei Teile unterteilt.

In Teil 1 beschreibt Paul, wie es in nach Thailand verschlagen hat, wo er lebt und wie es ihm dort gefällt.
In Teil 2 dreht sich alles darum wie Paul seinen Lebensunterhalt bestreitet, ob er Thai spricht und was die Besonderheiten des Lebens mit Kind in Thailand sind.
In Teil 3 geht es dann darum, wie es Paul in Thailand insgesamt gefällt, ob er sich vorstellen kann für immer hier zu bleiben und seine Tipps für alle, die ebenfalls Auswandern möchten.

1. Hallo Paul! Stell Dich bitte meinen Lesern kurz vor.

Ende August letzten Jahres bin ich mit meiner Frau und unserem damals noch dreijährigen Sohn nach Thailand gekommen. Meine Frau ist eine Thai und hat vorher mit mir gut fünf Jahre in Deutschland gelebt. Ich bin nach drei, teilweise schweren Unfällen in den vorzeitigen Ruhestand versetzt worden und nicht mehr berufstätig und so war der Weg frei, aus Deutschland erst einmal auf Probe wegzugehen.

2. Was hat Dich dazu veranlasst Deutschland zu verlassen und nach Thailand zu gehen?

Schon als ich meine Frau kennenlernte und wir heirateten wusste ich, dass ich irgendwann mit ihr in Thailand leben möchte. Dass es so schnell kam, hing mit meinem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Beruf zusammen. Ich wollte nach Thailand, da ich mich mein ganzes Leben immer nach viel Wärme und Sonne gesehnt habe. In D. habe ich unter dem oft kühlen Wetter und dem Klima gelitten. Lange, dürre Menschen mit einem niedrigen Blutdruck spüren Kühle und Kälte stärker. Und jetzt kommt mir das Wetter in Thailand zugute, da die Wärme die Muskulatur entspannt und ich dadurch weniger Schmerzen habe. Habe auch keine Erkältungen oder Grippe mehr, hier vielleicht auch nicht, weil ich möglichst jede Aircondition meide. Und dieses Frühjahr 2014 war es das erste Mal seit rund 25 Jahren, dass ich absolut nichts mit Heuschnupfen zu tun hatte, der mich sonst regelmäßig gut zwei Monate ab Februar oder März plagte. Also insofern ist der Aufenthalt in Thailand als einem tropischen Land ein voller Erfolg für mich.

3. Warum hast Du Dich für Pattaya als Deinen Wohnort entschieden?

Es ist nur eine vorläufige und erste Entscheidung. Als wir in Deutschland unsere Übersiedlung planten, habe ich geschaut, wo es denn deutsche Kindergärten und Schulen in Thailand gibt. Bis April 2013 gab es eine kleine private deutsche Schule mit Kindergarten in Pattaya, die zudem noch einigermaßen erschwinglich von den Gebühren war. Das war ein wichtiger Grund, denn es war immer klar, dass unser Sohn nicht in einen normalen Thai-Kindergarten gehen soll. Er sollte möglichst von Anfang an mehrsprachig unterrichtet werden. Leider wurde diese Schule und der Kiga gut vier Monate vor unserer Ankunft unter merkwürdigen Umständen geschlossen und wir mussten uns neu umsehen.

In Pattaya gibt es eine ganze Reihe von privaten Kindergärten, meistens englisch-sprachige, wo aber Kinder vieler Nationalitäten anzutreffen sind. Da haben wir nach langen Suchen jetzt einen guten gefunden, wo er Thai und Englisch parallel lernt und wo der Stil nicht ganz so autoritär ist. Zu Hause wird meistens Deutsch gesprochen. Deutsch ist weiterhin seine erste Sprache, zwar nicht seine Mutter- sondern eigentlich ja eher seine “Vatersprache”, auch wenn meine Frau in D. fast immer Deutsch mit ihm gesprochen hat, auch wenn dazu von Pädagogen nicht geraten wird.

Und das Deutsche soll auch weiterhin gepflegt und überwiegend gesprochen werden. Er soll alle Möglichkeiten einer Rückkehr nach Deutschland behalten und es soll nicht an schlechten Deutsch-Kenntnissen scheitern. Ich finde es traurig, wenn Deutsche Väter hier in Thailand ihren Kinder kein ausreichendes Deutsch beibringen. Damit schaden sie ihren Kindern und nehmen ihnen eine wertvolle Möglichkeit.

Ich glaube, die meisten Kinder wollen später lieber in Deutschland leben, wenn sie gut deutsch sprechen. So haben wir das bei den Kindern von Thai/Deutschen, als auch von reinen Thai-Paaren in Deutschland immer wieder erlebt. Da denkt kaum ein Kind daran, egal wie alt, später einmal in Thailand zu leben. Außerdem ist das Thai-Schulsystem so anders und unter dem Strich miserabel, dass unser Sohn vielleicht doch in Deutschland zur Schule gehen wird. Die Privatschulen, vielleicht außer der Christlichen Deutschen Schule in Chiang Mai sind dazu sehr, sehr teuer und bieten dennoch nicht immer das angestrebte Niveau.

4. Was gefällt Dir an Pattaya?

Wenn man vorhat nach Pattaya oder auch Jomtien zu ziehen, kriegt man erst einmal viel Wind von vorne. Und zwar von allen Seiten, in Deutschland wie in Thailand. “Du kannst doch nicht mit einem Kind nach Pattaya gehen …”, “Pattaya ist der größte Puff der Welt, da willst du hin???” usw. Das sagen nicht nur Leute, die noch nie in Pattaya oder Thailand waren, sondern auch in Thailand lebende Farangs und da haben etliche eine sehr negative Einstellung zu Pattaya.

Manche sagen es einem direkt, viele halten sich bedeckt, aber man merkt es. Und an vielem was da gesagt wird, ist ein bisschen was dran. Dass es hier ein großes sog. Rotlichtmilieu gibt, war nicht entscheidend und nicht wichtig. Aber dass unser Sohn hier in einen guten Kindergarten oder später vielleicht in eine gute Schule gehen könnte und dass er vor allem hier auch glücklich mit uns und anderen Kindern leben könnte, das wog selbstverständlich viel schwerer.

So sind wir erst einmal in Jomtien gestartet, weil wir hier nur gut dreihundert Meter vom Strand leben und das ist klasse. Und es zählt, dass Pattaya eine Großstadt ist, die Farangs vieles bietet, auch zum Einkaufen. Auch dass wir schnell mit dem SongThaew für 10 Baht pro Person im Minutentakt den ganzen Tag über nach Patty hin- und zurückfahren können, was z. B. in Phuket bei der Taxi-Mafia auch nach den jüngsten Säuberungen vermutlich weiterhin unvorstellbar bleibt, ist schon toll und ein gewichtiger Standortfaktor. Und weil wir wie gesagt hier mehrere englischsprachige Kigä vor Ort haben, was in anderen Regionen Thailands nicht gegeben ist. Außerdem ist Pataya gegenüber Bangkok, Phuket oder Koh Samui auch immer noch billiger bei den Mieten und einigen anderen Lebenshaltungskosten. Selbst die Mädchen in den Bars sollen hier weniger kosten. 🙂

Und mal eben nach Bangkok zum Einkaufen oder bummeln oder zum Suvarnabhumi oder Dong Muang Aiport, das geht von hier einigermaßen schnell, jedenfalls für thailändische Verkehrsverhältnisse. Die Staus fangen schon vor, aber spätestens am Rand von BKK an und kosten immer wieder viel Zeit. Man sollte nur von Montag bis Donnerstags in die Hauptstadt fahren und nie an Feiertagen.

Darf ich ein wenig ausholen und einen Blick in die Zukunft werfen? Ein bekannter deutscher Immobilienmakler, der 19 Jahre in Pattaya lebt, hat vor wenigen Tagen auf dem Treffen des Deutschen Expats-Clubs gesagt, dass Bangkok und Pattaya in spätestens 20 Jahren eine große Region, wenn nicht eine Stadt sein werden. Alles was jetzt noch halbwegs an Grundstücken und Land zwischen den beiden Städten frei erscheint, wird bis dahin verplant und verbaut sein. Nicht nur der Wohnungsbau wird weiter expandieren, vor allem werden die Industrie, Büros und Verwaltungen und damit auch der Verkehr enorm zunehmen. Das wird mit Sicherheit so kommen, den ich. Pattaya wird nicht ein zweites Hongkong werden, weil es ja (noch) viel Hinterland hat, aber die Verdichtung der Bebauung wird sich in ähnlicher weise gestalten. Man sieht das ja jetzt schon immer deutlicher bei den Hochhausern die hier eng an eng und ohne jedes freie Grundstück, ohne Grün und Bäume, ohne einen einzigen Park hingeklotzt werden. Es werden immer nur ein paar Alibi-Pflanzen und Palmen gesetzt. Und bei dem nächsten Starkregen steht wegen der extremen Versiegelung des Bodens alles unter Wasser. Aber das interessiert die Bau-Projektierer nicht und die Stadtverwaltung von Pattaya? Das kann man nur rätseln, was die machen bzw. ob die sich damit überhaupt befassen (dürfen)? Stadtplanung kann man hier nicht erkennen.

Und die Pläne der alten Regierung von Yingluck Shinawatra, als auch der jetzigen Militärregierung für eine Schnellbahn zwischen Pattaya und BKK, die weiter geht nach Nord-Thailand bis an die Grenze zu China, werden dazu führen, dass hundertausende, die jetzt noch in Bangkok leben, sich eine Wohnung oder ein Haus in oder in Richtung Chonburi und Pattaya kaufen werden. Auch wegen der ständigen Gefahr von Hochwasser in Bangkok und anderer Probleme dort. Pattaya wird eine Boomregion bleiben und sogar noch viel mehr werden als sie jetzt ist. Die meisten Bahts, angelegt in “Betongold”, werden sich hier langfristig rentieren. Gerne wird jetzt angesichts der gegenüber 2013 nahezu verdoppelten Fertigstellungen an Condos (27.000 neue Condos allein für 2014) von einer sich allmählich bildenden Immobilienblase gesprochen. Generell ist das zu pessimistisch, denn gut 60 % der Wohnungen werden noch vor Fertigstellung verkauft. Aber es gibt wie überall Lagen, die sind problematisch und andere Lagen werden dagegen überrannt. Das ist in jeder Stadt und überall auf der Welt grundsätzlich so. In den letzten 25 Jahren sind die Immobilien-Preise in Pattaya und Thailand mit gewissen Schwankungen immer weiter gestiegen. Und das wird noch lange so bleiben, die Entwicklung Thailands von einem uralten Agrarland hin zu einem modernen Industriestandort ist noch lange nicht beendet. Der Tourismus wird daneben weiterhin seine Rolle spielen, aber seine Bedeutung nimmt gegenüber Industrie und Herstellung insgesamt ab.

Ob es dann noch lebenswert ist, in Pattaya oder der Region Chonburi zu leben, steht auf einem ganz anderen Blatt. Sicherlich wird diese unaufhaltsame Entwicklung des Großraumes Bangkok enorme Umweltprobleme produzieren, wovon Smog und ständig giftig-dreckige Luft von Bangkok-City bis Pattaya an der Beach Road nur ein Thema sein werden. Das wäre nicht einmal etwas Neues, denn dreckige Luft hat man jetzt schon jeden Tag an vielen Stellen in Pattaya, Naklua und Jomtien, vermutlich deutlich mehr als in jeder deutschen Großstadt.

Hier findest Du Teil 2 und Teil 3 dieses Interviews.

Interview mit Chris von der deutschen Tauchschule Divesport Phuket

christian eckl divesport tauchen muenchen phuket

Heute gibt es ein Interview mit einem guten Freund: Christian Eckl von der Tauchschule Divesport.

Chris und ich haben 2004 gemeinsam bei Sea Bees Diving gearbeitet, in der Tsunami Welle getaucht und uns glücklicherweise auch nicht aus den Augen verloren, als er 2005 zunächst nach Palau ging und danach zurück nach München ging. Er ist Teilhaber der Tauchschule Divesport mit Basen in München, Kroatien (Insel Krk), Österreich (Attersee) und Phuket.

Alles weitere erzählt uns Chris dann selbst…

Hallo Chris! Stell Dich doch bitte mit ein paar Worten vor! Woher kommst Du? Wann warst Du das erste Mal in Thailand? Was treibst Du so etc….

Ich bin der Christian, bin 31 Jahre jung und war als ich 4 Jahre alt war das erste Mal in Thailand. Seit 2000 bin ich regelmäßig in Thailand beim Tauchen.

manta tauchen phuketTauchen mit Mantas

Du teilst Dir die Zeit zwischen München und Thailand. Wie kam es dazu?

Ich habe 2005 angefangen mich in der Tauchbranche selbstständig zu machen, seit 2006 betreibe ich mit einem Partner die Tauchschule DIVESPORT München. Da es mich im Winter immer wieder ins Warme gezogen hat kam die Idee sich ein zweites Standbein aufzubauen. Durch Zufall und Glück ergab sich die Chance in Phuket eine Basis mit Resort zu übernehmen, nach kurzem überlegen habe ich mich dann entschlossen es in Thailand zu versuchen und seit 2009 bin ich immer im Wechsel zwischen Deutschland und Thailand.

 Könntest Du Dir vorstellen irgendwann ganz in Thailand zu leben?

Solange ich geschäftlich tätig bin würde ich niemals alles in Deutschland abbrechen, aber die alten Tage in Thailand zu verbringen klingt verlockend 

rawai garden resort phuket8Das Rawai Garden Resort der Tauchschule auf Phuket – Mehr Infos zum Resort gibt es hier.

 Was gefällt Dir an Thailand besonders, was gefällt Dir weniger?

Ich liebe das Essen, Klima und die Vielseitigkeit des Landes. Leider kann ich nicht mehr behaupten das Thailand „Land des Lächelns“ ist…..und der Tourismus geht einen gefährlichen Weg….

 Wie ist das bei Dir mit dem Thailändischen? Wie gut sprichst Du die Sprache?

 mhhhh, ich gebe mir Mühe es täglich zu verbessern, von „gut“ bin ich noch weit weg.

 Wir haben ja gemeinsam den Tsunami beim Tauchen erlebt. Welche Erinnerungen hast Du daran?

Es war mein verrücktester Tauchgang und auch der einzige an den ich mich immer wieder erinnere und erinnert werde. Die Erinnerungen nach diesem Tag sind sehr traurig…..

 Du betreibst Deine Tauchschule sowohl in Deutschland, als auch in Thailand . Welche Unterschiede gibt es als Geschäftsinhaber in den Ländern. Welche speziellen Schwierigkeiten gibt es in Thailand?

Erstmals muss ich sagen, es gibt in beiden Ländern ähnliche bürokratische Schwierigkeiten, jedoch sind diese als deutscher Bürger in Deutschland wesentlich einfacher zu beseitigen, als als „Farang“ in Thailand.

Und…wer glaubt Korruption in der Geschäftswelt gibt es nur im Ausland, der irrt…

harlekin garnele tauchen phuket thailandHarlekin Garnelen gibt es auf den Safaris zu entdecken, z.B. am Richelieu Rock oder in Myanmar

 Welche Tipps würdest Du jemandem geben, der mit dem Gedanken spielt in Thailand eine Firma zu gründen.

Es ist wesentlich mehr Aufwand und Energie im Ausland erforderlich das gleiche zu erreichen und sich das „Brot zu verdienen“ als in seinem Heimatland!!!

 Welche weiteren Pläne hast Du mit Divesport? Auf was können sich Deine heutigen und zukünftigen Gäste freuen?

Wir wollen uns natürlich jeden Tag aufs Neue verbessern um den Aufenthalt unserer Gäste auf unseren DIVESPORT-Basen noch angenehmer zu machen. Unsere Gäste in Thailand können sich freuen, dass wir seit dieser Saison Tauchtouren nach Myanmar aufgenommen haben -> Tauchen fernab vom Massentourismus

tauchen in myanmarTauchen in Burma / Myanmar – Tauchen abseits der Massen

Chris, vielen Dank fuer das Interview, weiterhin viel Erfolg mit Divesport und immer gut Luft!

Wer mehr über das Tauchen mit Divesport erfahren möchte findet alle Informationen auf der Webseite unter: www.divesport.de

Und hier findest du das kleine, aber feine Rawai Garden Resort das ebenfalls von Chris und Team geführt wird.

Als Student in Bangkok – Interview mit Alex

studieren in bangkok

Nachdem wir Anfang der Woche den Bericht von Werner gelesen haben, der erst vor kurzem nach Bangkok ausgewandert ist, habe ich heute einen weiteren Auswanderer im Interview. Alex ist ein guter Freund, den ich auf Phuket kennengelernt habe, als wir gemeinsam für dieselbe Tauchbasis arbeiteten. Leider sehen wir uns mittlerweile viel zu selten, da er seit einiger Zeit in Bangkok lebt. Wie es ihn nach Thailand verschlagen hat und was er heute macht, dass erzählt er uns im Interview…

Stell Dich doch bitte mit ein paar Worten vor! Woher kommst Du ursprünglich und wie lange bist Du schon in Thailand, was machst Du hier?

Hi, ich heisse Alex Loew und komme urspruenglich aus der Gegend von Nuernberg, genauer gesagt Weissenburg in Bayern. Ich bin seit September 2005 in Thailand und im Moment mache ich ein internationales Studium, in Mass Communication Technologies mit dem Schwerpunkt Journalismus, in Bangkok an der Ramkhamhaeng Universitaet.

Was hat Dich ursprünglich nach Thailand verschlagen? Warum ausgerechnet Thailand?

Nach Thailand bin ich um des Tauchens Willen gekommen. Durch meinen Vater bin ich auf eine Tauchbasis mit einem sehr guten Namen in der Taucherwelt gestossen. Diese hat eine halbjaehrige Ausbildung zum Tauchlehrer angeboten, welche ich dann absolviert habe.

tauchen similian genesis liveaboard

Thailand erschien mir auch als ein Land mit einer sehr interessanten Kultur, vor allem durch den Buddhismus. Fuer mich war es auch eine Moeglichkeit das Leben aus einer ganz anderen Perspektive zu erleben.

 Was gefällt Dir am Leben in Thailand, was weniger?

Am Leben in Thailand gefaellt mir vor allem das tropisch, warme Klima und das eher abenteuerliche Leben, es verlaeuft hier nicht alles in geregelten, langweiligen Bahnen wie in Deutschland.

Was mir weniger gefaellt ist die Korruption die in Thailand alltaeglich ist. Das faengt meiner Meinung nach bei der korrumpierten Politik an, welche aus Angst vor Machtverlust ihre Buerger durch ein ebenfalls korrumpiertes Ausbildungs- und Schulsystem mit Absicht dumm haelt, damit die Elite ihre Macht etablieren kann.

Durch das Pflegen dieser korrupten Kultur hat sich die Gier nach Geld und Macht als eine der hoechsten Tugenden in Thailand heraus kristallisiert. Das spiegelt sich wieder in der Art und Weise, wie vor allem die Elite des Landes mit der Ausbeute von Natur, Umwelt und Menschen umgeht..

Es ist aber interessant zu beobachten und durch mein Studium, ein Teil davon zu sein, wie gerade in der gebildeten Gesellschaftsschicht und dort explizit in der neuen Generation, bei einigen Thais ein Umdenken statt findet ,welches gegen alte Konventionen und ueberholten Traditionen aufbegehrt.

Du warst zwischendurch für einige Monate zurück in Deutschland. Warum bist Du wieder zurück nach Thailand?

Weil ich hier eine Chance gesehen habe dem Trott zu entfliehen der mich in Deutschland einverleibt. Jeder noergelt dort rum wie schlecht es ihm geht, das steckt an.

 Mittlerweile studierst Du in Bangkok. Wie ist das Studentenleben in Bangkok? Wie finanzierst Du das Studium?

Ich arbeite in den Semesterferien in Phuket, bei der Tauchbasis bei der ich meinen Tauchlehrer gemacht habe und fuer welche in den letzten acht Jahren als Tauchlehrer, Cruising Director auf dem Safariboot und als Office Manager gearbeitet habe.

tauchen auf phuket

Mit einem Tauchgast vor einem Tauchgang

tauchen thailand similan sea bees marco polo

Mit der Crew des Safariboots

 

 

 

 

 

 

 

 

Ohne die Unterstuetzung meiner Eltern, welche mir ein zinsloses Darlehen gewaehren, haette ich aber Schwierigkeiten.

 Welche Unterschiede siehst Du im Leben zwischen Bangkok und Phuket?

Phuket ist sehr vom Tourismus beeinflusst. In Bangkok kann man nochmal sehr viel mehr ueber thailaendische Traditionen lernen. Trotzdem bevorzuge ich den Strand und das Meer, dem Verkehrsstau und der in Smog gehuellten Skyline. Aber Bangkok ist trotzdem eine sehr facettenreiche und darum hoechst interessante Stadt…Phuket hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt, gerade die touristischen Ecken sind in der Hochsaison stark ueberlaufen und der Massentourismus manifestiert sich auch in den steigenden Preisen. Trotzdem existieren dort auch noch ein paar sehr schoene Plaetze, darum komm ich immer noch gerne wieder.

Ich liebe die riesigen weissen Sandstraende noerdlich des Flughafens, dort ist oft kein Mensch und in den kleinen Strandrestaurants bekommt man sehr gute, authentische, suedthailaendische Spezialitaeten zu fairen Preisen.

In der Nebensaison, wenn es um einiges weniger Andrang an den Straenden suedlich von Patong gibt, reizt mich das Surfen, das um diese Jahreszeit populaer auf Phuket ist. Man muss allerdings auf gefaehrliche Rissstroemungen achten und man darf auf keinen Fall die roten Flaggen, welche vor solchen warnen, ignorieren.

Was mich an Phuket fasziniert ist, dass ich obwohl ich dort ueber 5 Jahre gelebt habe, ich immer noch neue Highlights und ruhige, bezaubernde Orte finde, die vom Massentourismus noch verschont sind.

Bei meinem letzten Aufenthalt auf der Insel, habe ich durch eine Freundin die Jamrock Bar entdeckt. Das ist eine Reggae Bar unterhalb des Kata Viewpoints. Sie ist angeschrieben, wenn man aus Naiharn kommt und Richtung Kata faehrt. Es ist eigentlich nur ein kleiner Bretterverschlag eingebettet in die Natur zwischen grossen fuer die Gegend typischen Granitfelsen mitten im Dschungel und mit einem grandiosen Ausblick auf das Meer.

 Wie ist das mit der Sprache? Wie gut sprichst Du Thai und wie hast Du es gelernt?

Seit zwei Jahren, seit dem ich in Bangkok bin habe ich das Thai-Alphabet gelernt und kann jetzt lesen. Das mit dem schreiben ist noch einmal eine andere Sache. Ich hatte nie offiziell Unterricht in Thai. Das meiste habe ich mir selbst beigebracht und von Freunden, Arbeitskollegen und Alltagssituationen gelernt.

Ich wuerde sagen ich kann mich in jeder Situation verstaendlich machen. Ich kann Smalltalks fuehren und verstehen, manch spezifische Themen anschneiden aber ich bin noch nicht in der Lage auf hoeheren Ebenen zu diskutieren.

 Könntest Du Dir vorstellen für immer in Thailand zu leben, oder möchtest Du irgendwann weiter oder vielleicht doch zurück nach Deutschland?

Mein Plan ist es weiter zu gehen und mehr Erfahrungen in anderen Teilen der Welt zu sammeln. Auch die Moeglichkeit eines Lebens in Deutschland moechte ich nicht aus den Augen zu verlieren.

Thailand ist ein nettes Land in dem ich viele nette Menschen kennen gelernt habe und die guten Erfahrungen, die ich hier gemacht habe, uebertreffen die Schlechten bei Weitem aber am Ende bin ich hier trotzdem immer der Farang, egal wie gut ich Thai spreche.

Wir werden sehen wie es weiter geht…

 Seit einigen Monaten arbeitest Du an einem Projekt, das Dir sehr am Herzen liegt. Worum geht es dabei?

Das Projekt nennt sich STart, das steht fuer SAVE THEM art. Mit STart will ich meine beiden Passionen, das Tauchen und das Zeichnen vereinbaren, um damit der Natur, von der wir alle abhaengen, etwas gutes zu tun.

Nach dem ich hautnah mit erlebt habe, wie die marine Artenvielfalt durch Gier, Ignoranz und Unwissenheit, systematisch zerstoert wird, hatte ich die Idee zu einer Marke, welche von meinen Designs, von abstrahierten marinen Lebewesen und dem Aufruf diese zu schuetzen lebt.

Mit STart will ich auf die Ausbeutung natuerlicher Lebensraeume und Ressourcen aufmerksam machen.

Ich will Leute die direkt und indirekt vom Meer leben, durch Aufklaerung dazu bewegen etwas fuer ihre Umwelt zu tun um diese fuer die jetzige Generation und die naechsten Generationen zu erhalten.

Meine Designs sollen die Schoenheit und die Perfektion der Natur hervorheben und damit zu ihrem Erhalt beitragen- „Save The creatures of Nature’s art“ Und vor allem den Menschen bewusst machen, dass wir alle ein Teil der Natur sind.

t-shirt design hai

T-Shirt Design von Alex

t-shirt design octopus

T-Shirt Design von Alex

 Was sind Deine weiteren Pläne für STart? Welche Möglichkeiten daran zu beteiligen gibt es?

Der naechste Schritt ist es die Designs auf die T-shirts zu bringen um dann moeglichst viele zu verkaufen. Der Verkauf der Shirts soll die Aufklaerungs- und Konservierungsprojekte vor Ort tragen.

Die Shirts sollen dem Traeger als Verfechter der Natur und als Schuetzer der marinen Artenvielfalt auszeichnen Es soll damit unsere Message moeglichst weit verbreitet werden , etwas zu tun bevor es zu spaet ist und im gleichen Moment auch dieses “ Etwas“ definieren.

Im Moment suche ich noch Sponsoren die mich finanziell etwas bei meiner Idee unterstuetzen…Als Student sind meine Möglichkeiten etwas eingeschränkt…

Alex, vielen Dank für das Interview!

Ich kenne das Projekt von Alex sehr gut und finde es eine großartige Sache. Davon mal abgesehen sind die T-Shirt Designs der Hammer! Wer also Interesse an seiner Idee hat, darf ihn gerne kontaktieren. Besucht dafür am besten die Facebook Seite von STart.