Interview mit Paul Meyns. Ein deutscher Auswanderer in Pattaya – Teil2

 

Das ist der 2. Teil des Interviews mit Paul Meyns von auswandernthailand.coAUswandern nach Pattaya - Interview mit Paul MeynsTeil 2m/, einem Deutschen, der mit Frau und Kind nach Thailand ausgewandert ist. Das Interview ist sehr spannend und ausführlich, warum ich es der besseren Lesbarkeit wegen in 3 Teile unterteilt habe.

In Teil 1 beschreibt Paul, wie es in nach Thailand verschlagen hat, wo er lebt und wie es ihm dort gefällt.
In Teil 2 dreht sich alles darum wie Paul seinen Lebensunterhalt bestreitet, ob er Thai spricht und was die Besonderheiten des Lebens mit Kind in Thailand sind.
In Teil 3 geht es dann darum, wie es Paul in Thailand insgesamt gefällt, ob er sich vorstellen kann für immer hier zu bleiben und seine Tipps für alle, die ebenfalls Auswandern möchten.

5. Hast Du vielleicht ein paar “Geheimtipps für Pattaya”, die der normale Urlauber nicht kennt?

Da fallen mir viel eher die hässlichen Seiten und Orte von Pattaya ein, als die schönen, denn die sind rar gesät. Pattaya bietet vieles, aber nichts wirklich Schönes. Keine schöne Architektur, keine alten oder auch neuen Gebäude mit Charakter und Klasse, sondern oft das genaue Gegenteil. Keine schönen Straßen und selbst die Strände sind eng und hässlich und das Wasser oft verschmutzt. Das ist leider die Wahrheit, die viele, die hier als Expats leben nicht gerne hören und das lieber ausblenden und noch ein “Leo” oder „Chang“ bestellen. Es gibt hier eigentlich nichts, was mit irgend einer deutschen oder europäischen Großstadt mithalten könnte. Nicht einen schönen Park, außer Nong Nooch außerhalb, aber das ist auch kein Park wie ihn jede Großstadt hat, zum spazieren gehen, Ball spielen, sonnenbaden, Fahrrad fahren oder auf einer Parkband in die Sonne blinzeln. Das ist eher ein Disneyland-Park, klein, auf engstem Raum und alles künstlich auf Park gestylt. Und Asiaten glauben wahrscheinlich auch, dass Parks immer so künstlich und wenig natürlich aussehen. Das mögen die Asiaten anscheinend so bzw. sie kennen es nicht anders.

Wäre Thailand in seiner Geschichte ähnlich wie Vietnam, Kambodscha und Thailand von einer europäischen Kolonialmacht beherrscht worden, hätte man sicherlich baulich in Bangkok und anderen Städten viele schöne Häuser und intakte Straßen der Gründerzeit erhalten. So hat Thailand immer in seinem eigenen Saft geschmort und hat dadurch viele Impulse verpasst. Und eine weitere These: Hätte es die Kolonialkriege der Franzosen in den 50er Jahren in Indochina und dann der Vietnamkrieg der US-Amerikaner nicht gegeben, wäre die wirtschaftliche Entwicklung Vietnams als ein Beispiel sicherlich viel dynamischer gewesen und Thailand hätte dann nicht von der Rückständigkeit Indochinas profitieren und sich so entwickeln können, wie es jetzt passiert ist.

Aber noch ist die Geschichte Süd-Ost-Asiens nicht geschrieben, alles entwickelt sich dynamisch weiter und die alten französischen Kolonial-Staaten holen gewaltig auf und könnten Thailand eines Tages einholen oder sogar überholen.

Jetzt habe ich ein wenig abgeschweift. 🙂 Meine Tipps für Pattaya sind eher kleinere Sachen, keine Blockbuster dabei. So gefällt mir der Fischmarkt in Naklua, also in Nord-Pattaya gut. Der ist uralt und hat damit einen eigenen Charakter. Man läuft teilweise durch die engen Gänge mit den Meerestieren links und rechts über Bretter und Bohlen, darunter ist Wasser. Man kann mit dem Baht-Bus vom Delphin-Kreisel am Eingang zu Naklua dorthin fahren, vielleicht 3 km bis zum Lan Pho Public Park der direkt davor in einer Kurve liegt.

Der Fischmarkt in Naklua findet täglich statt. Eine große Auswahl an fangfrischen Fischen, Muscheln, Krebse und Gemüse sind hier zu günstigen Preisen zu bekommen. Einige Restaurants sind auch vertreten. Auf den Karten wird Naklua oft auch Nah Klua oder Na Kluea geschrieben.

Gerne sind wir auch zur Abwechselung und zum Einkauf des täglichens Bedarfs nach Pattaya zur Pattaya Tai, Ecke Soi Buakhao gefahren. Kurz dahinter liegt der Soi Buakhao Market, den es immer nur Dienstags und Freitags tagsüber gibt.

Hier werden Kleidung, Haushaltswaren, Spielzeug, Essen, Musik CDs und alles Mögliche für den täglichen Gebrauch angeboten. Auch einige Bargirls sind hier anzutreffen, um dort das über Nacht verdiente Geld in neuen Schuhen oder Kleider zu investieren. Meistens ist aber auch die „Große Urlaubsliebe“ bei der morgenlichen Einkaufstour mit dabei, wo dann die Shoppingtour etwas größer ausfällt, da der „Custumer“ ja alles bezahlt.

In Pattaya ist es schön, ab und zu mal auf den Hügel zum Big Buddha zu fahren, dem höchsten Punkt der Stadt. In der Nähe, etwas darunter und davor, befindet sich auch der Pattaya Aussichtspunkt. An beiden Orten kann man sich ein wenig bewegen und abschalten, einen Hauch von Natur und vor allem den großartigen Blick über die Bay von Pattaya genießen. Allerdings ist gerade ein Riesenhotel im Bau, dass diesen ungestörten Blick bald kräftig stören und unmöglich machen wird. In Pattaya sind Geld und Gewinne stets wichtiger als jede Stadtplanung und der Erhalt der wenigen natürlichen Attraktionen. Und die „blöden Touristen“ werden ja eh weiterhin kommen, davon wird grundsätzlich hier ausgegangen und damit ist das Thema erledigt.

Ansonsten muss man weiter fahren, wenn man etwas schönere, breitere oder ruhigere Strände sehen will. Entweder in Richtung Satthahip und Rayong im Osten oder westlich nach Sri Racha oder Bang Saen. Die Qualität des Wassers und der genannten Strände variert stark. Oder man fährt auf die sehr schnell vom Bali Hai Pier in Pattaya zu erreichende Insel Koh Lan oder die mit einer Autofahrt verbundene Überfahrt zu Koh Samet, Richtung Rayong. Beides hat seine Reize und ist eine schöne Abwechselung, vor allem in der Woche. Am Wochenende kommen die Tagestouristen aus Bangkok, dem nördlichen Thailand und dem Isaan. Dann wird es laut und voll, es wird gern und viel Whisky getrunkenen und oft laut eine bestimmte bei Thais beliebte Disco-Musik gespielt.

6. Wovon bestreitest Du Deinen Lebensunterhalt in Thailand?

Wir leben von meinen Altersbezügen und wenn es nicht reicht geht es zur Not an die Substanz, an die Rücklagen. Ich arbeite hier nicht, ist ja auch strikt verboten, selbst ohne Bezahlung dürfte man nicht arbeiten, mit einem Non-Immigrant-Visum-O. Meine Frau hat bislang keine angemessene Arbeit gefunden, wo sie ihre bislang guten deutschen Sprachkenntnisse einbringen kann. Leider sind die thailändischen Arbeitgeber sehr starr in ihrem Denken. Sie wollen einen Angestellten am liebsten für wenig Geld, aber dann den ganzen Tag und möglichst sieben Tage die Woche “kaufen” und frei nach ihrem Gusto über ihn verfügen.

Eine Arbeitszeit von früh morgens von 7 oder 8 h bis abends um 20 oder 21h wurde ihr angeboten, als Dolmetscherin in einem Hospital in Pattaya für deutsch-, im Einzelfall auch für englisch-sprachige Patienten. Sie hätte aber ständig im Hospital in einer Art Rufbereitschaft bleiben müssen und sich dort bereithalten müssen für einen eventuellen Einsatz. Also insgesamt vermutlich zu 80 % Leerlauf jeden Tag. So ähnlich wie das in Thailand im Einzelhandel jeden Tag zu beobachten ist, wo die Verkäufer gelangweilt stundenlang auf einen Käufer warten müssen. Aber wer in Deutschland gearbeitet hat, der hat dazu verständlicherweise keine große Lust mehr, denn es würde bedeuten, dass meine Frau unseren Sohn praktisch nur noch an den wenigen freien Tagen überhaupt zu sehen bekäme. Für uns nicht akzeptabel, selbst bei einem überdurchschnittlichen Gehalt, was angeboten wurde, nicht.

7. Sprichst Du Thai? Wenn ja, wie hast Du es gelernt? Wenn nein, siehst Du das als problematisch für Dein Leben in Thailand an?

Ich spreche kein ausreichendes Thai, außer einigen Floskeln für den täglichen Umgang. Meine thailändische Familie hat das schon seit langem kritisiert, sie wollen sich gerne mit mir direkt unterhalten können, sagten einige. Nur ein Wort jeden Tag bräuchte ich doch lernen, hat ein Onkel mal vorgeschlagen. Dabei ist es geblieben. Ich weiß, dass ich in jungen Jahren Sprachen leicht in mich aufsaugen konnte, egal wo ich in Urlaub war. Aber das waren Sprachen der europäischen und lateinischen Sprachfamilie. Komme ich heute nach Spanien, Italien oder auch Niederlande oder Dänemark, lerne ich jeden Tag im vorbeigehen neues. Das ist ganz leicht.

Aber das Thailändische hat damit nun überhaupt nichts gemein und dann auch noch die andere Schrift. Und wenn ich in Kambodscha oder Laos bin, ist dort die Sprache und die Schrift noch wieder anders. Also da fehlte mir bisher die Motivation. Allerdings habe ich mir hier auch Unterrichtsstunden bei drei verschiedenen Thai-Lehrern in den angesagten Instituten probeweise angesehen. Das hat mich nicht überzeugt, die Lehrmethoden sind von anno dazumal, das ist eine umständliche Quälerei und müsste mit modernen Methoden leichter und schneller gehen. Habe einen Tipp für ein modernes Institut in Bangkok bekommen, das werde ich mir mal ansehen.

Und mit meiner Frau ging das Lernen noch nie gut, das gibt zu schnell Streit. Und sie will es auch nicht, sie hat auch ihr Deutsch in Deutschland sehr gut in den Pflicht-Sprachschulen gelernt und nur ein wenig mit und von mir. Und da ist sie stolz drauf. Einige Thais und andere Zuwanderer lernen dort dennoch sehr wenig deutsch, selbst nach 800 oder 1000 Stunden. Das liegt immer auch an der eigenen Motivation und Einstellung und auch daran, wieviel und welche Schulbildung man früher in Thailand genossen hat, welche Voraussetzungen man mitbringt. Ob man das Lernen überhaupt gelernt hat. Und ich behaupte es liegt auch daran, ob man den Kurs vom deutschen Staat kostenlos kriegt oder ob man dafür voll bezahlen muss, wie es bei uns war. Zahlt man selbst, hat man sofort eine andere Einstellung und will auch etwas erreichen.

8. Du bist ja mit Kind ausgewandert. Welche besonderen Schwierigkeiten waren bzw. sind damit verbunden?

Wie schon angedeutet, war es nicht leicht einen guten Kindergarten für unseren Sohn hier zu finden. Wir haben uns etliche vorher angesehen und dennoch zunächst voll daneben gegriffen. War einerseits aber auch hilfreich, weil ich jetzt genau weiß, wie so ein Tag eines kleines Kindes in einem eher durchschnittlichen staatlichen thailändischen Kindergarten aussieht. Ganz schrecklich, denn die meiste Zeit musste unser Sohn dort stillsitzen, solltte überdies still sein und sollte sich immer nur das ansehen und anhören was zwei Lehrerinnen, hier gibt es ja keine Erzieherinnen, vormachen und höchstens mal im Chor etwas nachplappern. Im ersten Kindergarten waren etliche Kameras in jedem Raum des Kiga untergebracht und so konnten die Eltern das zu Hause live mit erleben. Nach gut drei Wochen dieser Tortur haben wir ihn herausgenommen, denn ein Gespräch mit der Leitung erwies sich als sinnlos. Die verstehen unsere Bedenken und Wünsche gar nicht, man redet aneinander vorbei, ach wenn auf Thai gesprochen wurde. Die Lehrerinnen dort kennen es eben selbst nichts anders, sind ihrem Denken verhaftet und da sind uns die kulturellen Unterschiede im Denken und Fühlen zwischen Asiaten und Nordeuoropäern sehr deutlich ins Auge gesprungen.

Schlecht ist ferner, dass wir soweit von den anderen Kindern und dem Kiga entfernt leben, dass außerhalb des Kiga ein Kontakt schwierig ist und meistens ausbleibt. Das war in D. im Stadtteil leichter, auch wegen der öffentlichen Verkehrsmittel, die es hier ja überhaupt nicht gibt. Oder wie soll man zur “Dark Side”, mit den unendlich vielen neuen Village-Ghettos auf der anderen Seite der Sukhumvit und der Bahnlinie von Pattaya kommen, außer mit Auto oder Motorbike bei ständig dichtem Verkehr und verpesteter Luft dorthin und zurück.

Ferner kennt man in Thailand keine öffentlichen Spielplätze! Es gibt sie einfach nicht. Wenn, dann sind es welche in privaten in Condo-Anlagen oder Villages. Das ist schrecklich für Kinder in der Stadt. Und Radfahren oder Fußballspielen, was er in D. so gerne draußen gemacht hat, geht hier auch überhaupt nicht. Alles ist zugebaut oder man darf oder kann verwaiste, unbebaute Grundstücke nicht betreten. Es auch gibt keine freien Sport- oder Bolzplätze, keine Fahrradwege, nicht mal halbwegs passierbare Bürgersteige. Meistens viel zu schmal, oder ohnehin kaputt, baufällig mit riesigen Kratern oder vollgestellt mit Masten, Kästen, Mülltonnen etc.

Und so sitzen die meisten Thai-Kinder in der Stadt vor der Glotze oder haben ein Tablet vor sich. Bewegung und Bewegungsspiele dürften die ihre ganze Kindheit über nicht kennen lernen. Für Thais normal, für Europäer ganz schrecklich. Vielleicht gleichen die Schulen oder der Schulsport einiges aus, aber ich habe da größte Zweifel, was ich so gesehen habe. Alles ist sehr auf Disziplin ausgerichet, da werden die Energien der Kinder immer nur ausgebremst. Auf dem Land sieht es da teilweise besser aus. Dort ist wenigstens mehr Raum sich zu bewegen und mit einem alten Fahrad herum zu fahren, falls ein Kind dort so etwas hat.

Positiv war es die ersten zwei Jahre seines Lebens bei unseren Besuchen in Thailand zu sehen, wie vernarrt die Thais, speziell die Frauen in unseren Farang Noi, dem kleinen Farang, sind. Jeder, ob in Bangkok oder in einem Dorf, wollte ihn auf den Schoß haben und anfassen. Das hat aber jetzt mit drei und vier Jahren stark nachgelassen bzw. aufgehört. Es ist vermutlich so wie mit kleinen Hunden, die hier auf den Märkten angeboten werden. Die sind als Babies ganz süß und knutschig und jeder will gerne eines haben und anfassen, aber nach zehn Monaten wird der fast ausgewachsene Hund auf die Straße geschickt und darf sehen wie er alleine klar kommt. Ich weiß, das klingt böse, aber es hat mich daran erinnert, weil ich den Umgang mit Hunden hier genau so erlebt habe. Aber unser Sohn hat ja primär seine Eltern und die lieben ihn für immer und ewig, egal was immer passieren mag.

Positiv ist auch, dass er dank des Hastin Kindergartens jetzt neben Deutsch auch Thailändisch nahezu perfekt und auch Englisch schon gut spricht. Kleine Unterhaltungen kann er jetzt auch in Englisch bestreiten und man kann ihn auf Englisch ansprechen und er antwortet auf Englisch. Das ist toll und macht uns mächtig stolz und das hätte er in Deutschland mit drei und vier Jahren nicht gehabt und nicht lernen können. Thai natürlich nicht und Englisch nur, wenn wir ihn dort in einen privaten internationalen Kindergarten geschickt hätten. Die staatlichen deutschen Kigä bieten ja meistens nur ein „Early English“ mit fünf Jahren zwei Stunden die Woche an. Das ist gar nichts. Viel zu spät und viel zu wenig. In der frühkindlichen Bildung ist Deutschland immer noch kein moderner internationaler Wirtschaftsstandort, sondern ein stehengebliebenes Agrarland und teilweise auf dem Niveau von Russland und ähnlich rückständigen Ländern. Allerdings dürften die meisten Staaten der EU da fürchterlich weit hinten sein, außer den nordeuropäischen Ländern vermutlich.

Und positiv ist auch, dass er hier in Thailand fast jeden Tag in den Pool gehen kann. Weil das Wetter ganzjährig das Baden möglich macht und weil es hier zwei große Pools mit unterschiedlichen Tiefen und Bereichen in der Condo-Anlage gibt. Und nach Wasser ist er immer noch verrückt. Im Kiga kann er allerdings auch einmal die Woche ins Wasser, da freut er sich schon am Tag vorher drauf. Allerdings scheut er zu unserem großen Leidwesen die 300 oder 400 Meter zum Strand und zum Meer. Er hat beim Baden letztes Jahres nach unserer Ankunft jedes Mal im Meer ein Hautjucken bekommen und wollte dann schon bald überhaupt nicht mehr ins Wasser. Und seitdem steht er dem Meer, dem Baden, aber auch dem Sand am Strand etwas skeptisch und zurückhaltend gegenüber. Das finde ich sehr schade, weil er damit auch oft keine Lust hat, einfach nur am Strand ein wenig mit mir zu Laufen. Und ich laufe gerne am Strand entlang, insbesondere wenn Ebbe ist und wenn dort bei den extrem schmalen Stränden in Pattaya/Jomtien mal herrlich viel Platz ist.

Ich habe ja mit ihm zuletzt einige Male in Jomtien und neulich auch in Hua Hin gebadet, das Hautjucken hat er nicht mehr reklamiert, aber in Jomtien schwamm manchmal Wasser voller Plastikfetzen -tüten um uns herum. Das finde ich überhaupt nicht schön. Und das Wasser sieht hier eben auch einfach dreckiger aus, als auf Koh Lan an den dortigen Stränden beispielsweise. Übrigens haben uns Erwachsene auch vereinzelt von einen Juckreiz nach dem Baden berichtet und wenn ein badebegeistertes kleines Kind so etwas sagt, dann hat es das bestimmt nicht erfunden. Wir selbst haben es bei uns nicht bemerkt.

Hier findest Du Teil 1 und Teil 3 dieses Interviews.

Interview mit Paul Meyns. Ein deutscher Auswanderer in Pattaya – Teil1

AUswandern nach Pattaya - Interview mit Paul MeynsTeil 1

Im heutigen Interview erzählt Paul Meyns von seiner Auswanderung nach Thailand. Paul ist 2013 nach Thailand ausgewandert, hat dies anders als Werner, der ebenfalls bereits auf Phuketastic ueber seine Auswanderung nach Bangkok geschrieben hat, nicht alleine getan, sondern den Schritt gemeinsam mit seiner Frau und dem gemeinsamen Sohn gewagt. Über seine Erfahrungen in Thailand berichtet er auch auf auswandern-thailand.com. Regelmäßige Beiträge über Thailand gibt es auch auf seiner Facebook Seite und bei Google plus.

Das Interview ist richtig spannend zu lesen, mit vielen wertvollen Einblicken für jeden der mit dem Gedanken an eine Auswanderung spielt. Da es sehr lang geworden ist habe ich es in drei Teile unterteilt.

In Teil 1 beschreibt Paul, wie es in nach Thailand verschlagen hat, wo er lebt und wie es ihm dort gefällt.
In Teil 2 dreht sich alles darum wie Paul seinen Lebensunterhalt bestreitet, ob er Thai spricht und was die Besonderheiten des Lebens mit Kind in Thailand sind.
In Teil 3 geht es dann darum, wie es Paul in Thailand insgesamt gefällt, ob er sich vorstellen kann für immer hier zu bleiben und seine Tipps für alle, die ebenfalls Auswandern möchten.

1. Hallo Paul! Stell Dich bitte meinen Lesern kurz vor.

Ende August letzten Jahres bin ich mit meiner Frau und unserem damals noch dreijährigen Sohn nach Thailand gekommen. Meine Frau ist eine Thai und hat vorher mit mir gut fünf Jahre in Deutschland gelebt. Ich bin nach drei, teilweise schweren Unfällen in den vorzeitigen Ruhestand versetzt worden und nicht mehr berufstätig und so war der Weg frei, aus Deutschland erst einmal auf Probe wegzugehen.

2. Was hat Dich dazu veranlasst Deutschland zu verlassen und nach Thailand zu gehen?

Schon als ich meine Frau kennenlernte und wir heirateten wusste ich, dass ich irgendwann mit ihr in Thailand leben möchte. Dass es so schnell kam, hing mit meinem vorzeitigen Ausscheiden aus dem Beruf zusammen. Ich wollte nach Thailand, da ich mich mein ganzes Leben immer nach viel Wärme und Sonne gesehnt habe. In D. habe ich unter dem oft kühlen Wetter und dem Klima gelitten. Lange, dürre Menschen mit einem niedrigen Blutdruck spüren Kühle und Kälte stärker. Und jetzt kommt mir das Wetter in Thailand zugute, da die Wärme die Muskulatur entspannt und ich dadurch weniger Schmerzen habe. Habe auch keine Erkältungen oder Grippe mehr, hier vielleicht auch nicht, weil ich möglichst jede Aircondition meide. Und dieses Frühjahr 2014 war es das erste Mal seit rund 25 Jahren, dass ich absolut nichts mit Heuschnupfen zu tun hatte, der mich sonst regelmäßig gut zwei Monate ab Februar oder März plagte. Also insofern ist der Aufenthalt in Thailand als einem tropischen Land ein voller Erfolg für mich.

3. Warum hast Du Dich für Pattaya als Deinen Wohnort entschieden?

Es ist nur eine vorläufige und erste Entscheidung. Als wir in Deutschland unsere Übersiedlung planten, habe ich geschaut, wo es denn deutsche Kindergärten und Schulen in Thailand gibt. Bis April 2013 gab es eine kleine private deutsche Schule mit Kindergarten in Pattaya, die zudem noch einigermaßen erschwinglich von den Gebühren war. Das war ein wichtiger Grund, denn es war immer klar, dass unser Sohn nicht in einen normalen Thai-Kindergarten gehen soll. Er sollte möglichst von Anfang an mehrsprachig unterrichtet werden. Leider wurde diese Schule und der Kiga gut vier Monate vor unserer Ankunft unter merkwürdigen Umständen geschlossen und wir mussten uns neu umsehen.

In Pattaya gibt es eine ganze Reihe von privaten Kindergärten, meistens englisch-sprachige, wo aber Kinder vieler Nationalitäten anzutreffen sind. Da haben wir nach langen Suchen jetzt einen guten gefunden, wo er Thai und Englisch parallel lernt und wo der Stil nicht ganz so autoritär ist. Zu Hause wird meistens Deutsch gesprochen. Deutsch ist weiterhin seine erste Sprache, zwar nicht seine Mutter- sondern eigentlich ja eher seine “Vatersprache”, auch wenn meine Frau in D. fast immer Deutsch mit ihm gesprochen hat, auch wenn dazu von Pädagogen nicht geraten wird.

Und das Deutsche soll auch weiterhin gepflegt und überwiegend gesprochen werden. Er soll alle Möglichkeiten einer Rückkehr nach Deutschland behalten und es soll nicht an schlechten Deutsch-Kenntnissen scheitern. Ich finde es traurig, wenn Deutsche Väter hier in Thailand ihren Kinder kein ausreichendes Deutsch beibringen. Damit schaden sie ihren Kindern und nehmen ihnen eine wertvolle Möglichkeit.

Ich glaube, die meisten Kinder wollen später lieber in Deutschland leben, wenn sie gut deutsch sprechen. So haben wir das bei den Kindern von Thai/Deutschen, als auch von reinen Thai-Paaren in Deutschland immer wieder erlebt. Da denkt kaum ein Kind daran, egal wie alt, später einmal in Thailand zu leben. Außerdem ist das Thai-Schulsystem so anders und unter dem Strich miserabel, dass unser Sohn vielleicht doch in Deutschland zur Schule gehen wird. Die Privatschulen, vielleicht außer der Christlichen Deutschen Schule in Chiang Mai sind dazu sehr, sehr teuer und bieten dennoch nicht immer das angestrebte Niveau.

4. Was gefällt Dir an Pattaya?

Wenn man vorhat nach Pattaya oder auch Jomtien zu ziehen, kriegt man erst einmal viel Wind von vorne. Und zwar von allen Seiten, in Deutschland wie in Thailand. “Du kannst doch nicht mit einem Kind nach Pattaya gehen …”, “Pattaya ist der größte Puff der Welt, da willst du hin???” usw. Das sagen nicht nur Leute, die noch nie in Pattaya oder Thailand waren, sondern auch in Thailand lebende Farangs und da haben etliche eine sehr negative Einstellung zu Pattaya.

Manche sagen es einem direkt, viele halten sich bedeckt, aber man merkt es. Und an vielem was da gesagt wird, ist ein bisschen was dran. Dass es hier ein großes sog. Rotlichtmilieu gibt, war nicht entscheidend und nicht wichtig. Aber dass unser Sohn hier in einen guten Kindergarten oder später vielleicht in eine gute Schule gehen könnte und dass er vor allem hier auch glücklich mit uns und anderen Kindern leben könnte, das wog selbstverständlich viel schwerer.

So sind wir erst einmal in Jomtien gestartet, weil wir hier nur gut dreihundert Meter vom Strand leben und das ist klasse. Und es zählt, dass Pattaya eine Großstadt ist, die Farangs vieles bietet, auch zum Einkaufen. Auch dass wir schnell mit dem SongThaew für 10 Baht pro Person im Minutentakt den ganzen Tag über nach Patty hin- und zurückfahren können, was z. B. in Phuket bei der Taxi-Mafia auch nach den jüngsten Säuberungen vermutlich weiterhin unvorstellbar bleibt, ist schon toll und ein gewichtiger Standortfaktor. Und weil wir wie gesagt hier mehrere englischsprachige Kigä vor Ort haben, was in anderen Regionen Thailands nicht gegeben ist. Außerdem ist Pataya gegenüber Bangkok, Phuket oder Koh Samui auch immer noch billiger bei den Mieten und einigen anderen Lebenshaltungskosten. Selbst die Mädchen in den Bars sollen hier weniger kosten. 🙂

Und mal eben nach Bangkok zum Einkaufen oder bummeln oder zum Suvarnabhumi oder Dong Muang Aiport, das geht von hier einigermaßen schnell, jedenfalls für thailändische Verkehrsverhältnisse. Die Staus fangen schon vor, aber spätestens am Rand von BKK an und kosten immer wieder viel Zeit. Man sollte nur von Montag bis Donnerstags in die Hauptstadt fahren und nie an Feiertagen.

Darf ich ein wenig ausholen und einen Blick in die Zukunft werfen? Ein bekannter deutscher Immobilienmakler, der 19 Jahre in Pattaya lebt, hat vor wenigen Tagen auf dem Treffen des Deutschen Expats-Clubs gesagt, dass Bangkok und Pattaya in spätestens 20 Jahren eine große Region, wenn nicht eine Stadt sein werden. Alles was jetzt noch halbwegs an Grundstücken und Land zwischen den beiden Städten frei erscheint, wird bis dahin verplant und verbaut sein. Nicht nur der Wohnungsbau wird weiter expandieren, vor allem werden die Industrie, Büros und Verwaltungen und damit auch der Verkehr enorm zunehmen. Das wird mit Sicherheit so kommen, den ich. Pattaya wird nicht ein zweites Hongkong werden, weil es ja (noch) viel Hinterland hat, aber die Verdichtung der Bebauung wird sich in ähnlicher weise gestalten. Man sieht das ja jetzt schon immer deutlicher bei den Hochhausern die hier eng an eng und ohne jedes freie Grundstück, ohne Grün und Bäume, ohne einen einzigen Park hingeklotzt werden. Es werden immer nur ein paar Alibi-Pflanzen und Palmen gesetzt. Und bei dem nächsten Starkregen steht wegen der extremen Versiegelung des Bodens alles unter Wasser. Aber das interessiert die Bau-Projektierer nicht und die Stadtverwaltung von Pattaya? Das kann man nur rätseln, was die machen bzw. ob die sich damit überhaupt befassen (dürfen)? Stadtplanung kann man hier nicht erkennen.

Und die Pläne der alten Regierung von Yingluck Shinawatra, als auch der jetzigen Militärregierung für eine Schnellbahn zwischen Pattaya und BKK, die weiter geht nach Nord-Thailand bis an die Grenze zu China, werden dazu führen, dass hundertausende, die jetzt noch in Bangkok leben, sich eine Wohnung oder ein Haus in oder in Richtung Chonburi und Pattaya kaufen werden. Auch wegen der ständigen Gefahr von Hochwasser in Bangkok und anderer Probleme dort. Pattaya wird eine Boomregion bleiben und sogar noch viel mehr werden als sie jetzt ist. Die meisten Bahts, angelegt in “Betongold”, werden sich hier langfristig rentieren. Gerne wird jetzt angesichts der gegenüber 2013 nahezu verdoppelten Fertigstellungen an Condos (27.000 neue Condos allein für 2014) von einer sich allmählich bildenden Immobilienblase gesprochen. Generell ist das zu pessimistisch, denn gut 60 % der Wohnungen werden noch vor Fertigstellung verkauft. Aber es gibt wie überall Lagen, die sind problematisch und andere Lagen werden dagegen überrannt. Das ist in jeder Stadt und überall auf der Welt grundsätzlich so. In den letzten 25 Jahren sind die Immobilien-Preise in Pattaya und Thailand mit gewissen Schwankungen immer weiter gestiegen. Und das wird noch lange so bleiben, die Entwicklung Thailands von einem uralten Agrarland hin zu einem modernen Industriestandort ist noch lange nicht beendet. Der Tourismus wird daneben weiterhin seine Rolle spielen, aber seine Bedeutung nimmt gegenüber Industrie und Herstellung insgesamt ab.

Ob es dann noch lebenswert ist, in Pattaya oder der Region Chonburi zu leben, steht auf einem ganz anderen Blatt. Sicherlich wird diese unaufhaltsame Entwicklung des Großraumes Bangkok enorme Umweltprobleme produzieren, wovon Smog und ständig giftig-dreckige Luft von Bangkok-City bis Pattaya an der Beach Road nur ein Thema sein werden. Das wäre nicht einmal etwas Neues, denn dreckige Luft hat man jetzt schon jeden Tag an vielen Stellen in Pattaya, Naklua und Jomtien, vermutlich deutlich mehr als in jeder deutschen Großstadt.

Hier findest Du Teil 2 und Teil 3 dieses Interviews.

Erfahrungsbericht von Werner – Auswandern nach Bangkok

Auswandern nach Bangkok Erfahrungsbericht

Ich finde persönliche Erfahrungen immer sehr spannend. Gerade wenn es darum geht, wie andere ihre Auswanderung erlebt haben. Aus vielen Mails und Kommentaren weiss ich, dass es auch vielen Phuketastic Lesern so geht. Darum freue ich mich, dass ich Werner, seit längerem Leser meines Phuket Blogs, als Gastautor gewinnen konnte. Werner ist erst vor wenigen Wochen von Deutschland nach Thailand ausgewandert und lebt jetzt in der Hauptstadt Bangkok.
Im heutigen Gastbeitrag erzählt er uns seine ganz persönliche Geschichte…

Wie alles begann – die Idee vom Auswandern entsteht

Alles begann Anfang der 90er – Jahre mit einer Rundreise durch Südostasien. In 17 Tagen Frankfurt – Singapur – Bali – Bangkok – Frankfurt. Ich war zuvor noch nie in Asien. Die Reise diente dazu einen Überblick über 4 verschiedene Regionen Asiens zu erlangen, um später entscheiden zu können, wo es sich lohnt noch einmal „tiefer einzusteigen“. Bangkok war eindeutig der Höhepunkt der Reise. Dort war die Affinität zu Land und Leuten am größten und so beschloß ich für meinen nächsten Urlaub eine Thailand – Rundreise zu buchen. In den darauf folgenden Jahren führten mich meine Urlaubsreisen immer wieder nach Thailand und so besuchte ich im Laufe der Jahre Bangkok, Phuket, Chiang Mai, Mae Hong Son, Chiang Rai, Pattaya, Rayong, Ayutthaya, Kanchanaburi, den River Kwai, Nakhon Pathom, Khanom und Koh Samui.

In dieser Zeit wurde der Gedanke geboren möglichst viel Geld in möglichst kurzer Zeit zu verdienen, um möglichst früh und in noch einigermaßen jungen Jahren nach Thailand ziehen zu können. In dieser Zeit gefiel mir das scheinbar sorglose und glückliche Dasein der Thais, die (meist) viel weniger Mittel, als westliche Bevölkerungen zur Verfügung haben und dennoch zufriedener zu sein schienen, als ewig gestresste Europäer oder Amerikaner. Ich muss an dieser Stelle einräumen, dass ich die Thais (zumindest in Bangkok) ganz so sorglos und stressfrei heutzutage nicht mehr erlebe und das auch hier inzwischen oftmals der Stress Einzug gehalten hat. Das fällt besonders in der U – Bahn auf, wo das „ewige Lächeln“ dem Termindruck und dem Stress scheinbar gewichen ist.

Ich studierte damals in Deutschland Physik und arbeitete danach 22 Jahre im Vertrieb. Als Teamleiter für Sales und Service, sowie später als Key Account Manager in verantwortlicher Position mit einem sehr großen Umsatzdruck. Von meinen Verhandlungen mit den „big global Playern“ hingen ca. 20% des Gesamtumsatzes meines Arbeitgebers ab. Mein o.g. Ziel schnell Geld zu verdienen, um in Deutschland schnell weg kommen zu können rächte sich allerdings später leider. Mit 48 Jahren und 22 Jahren Berufserfahrung im Vertrieb verliessen mich die Kräfte. Ich konnte keinen Tag mehr länger in diesem Job arbeiten und so kündigte ich – zur Verwunderung aller – meinen gut bezahlten Job selbst, um endlich wieder selbst- und nicht mehr fast ausschließlich fremdbestimmt Leben zu können.

Mein ursprünglicher Plan nach meinem 50. Geburtstag zu kündigen und Deutschland zu verlassen ging dadurch leider nicht mehr auf.

Thailändisch lernen als Vorbereitung auf die Auswanderung

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Die Visabestimmungen Thailands nennen folgende Grundvoraussetzungen für die Erlangung eines „Retirement Visa“. Alleinstehende Antragsteller müssen das 50. Lebensjahr vollendet haben und ein Bankguthaben von mindestens 800.000 THB auf einem Konto bei einer thailändischen Bank nachweisen können. Der Nachweis eines tadellosen Führungszeugnisses und eines Gesundheitszeugnisses versteht sich natürlich von selbst.

Wie konnte ich nun also die 2 Jahre „Wartezeit“ im Sinne der Verfolgung meines Ziels nutzen ?

Für mich stand von Anfang an außer Frage, dass ich die Sprache der Bevölkerung des Landes sprechen können muss, in dem ich einmal dauerhaft leben möchte ! Schon zu Zeiten meiner Berufstätigkeit besuchte ich abendliche Thai – Kurse bei der Volkshochschule Frankfurt, um einen einstieg in die doch eher gewöhnungsbedürftige und für Europäer nicht ganz einfache Sprache zu erlangen, da es sich bei Thai um eine tonale Sprache mit 5 verschiedenen Tonhöhen handelt. Man muss dazu sagen, dass meine Talente (als Physiker) eher in naturwissenschaftlichen Bereichen zu finden sind, als im Erlernen von Fremdsprachen …

Schnell stellte sich heraus, dass man mit 2 Stunden Thai pro Woche am Abend nach getaner Arbeit nicht wirklich zügig im Erlernen einer Sprache voran kommt. Nachdem der Einstieg nun aber schon einmal geschafft und die Zeit aufgrund der Kündigung vorhanden war beschloss ich das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Ich buchte einen Thai – Sprachkurs mit insgesamt 300 Unterrichtsstunden (15 Wochen, Mo. – Fr. von 9.00 – 12.00 Uhr) in einer Sprachschule in Bangkok und kam so gleichzeitig in den Genuss eines „Education Visa“ für 6 Monate. Dieser Langzeit – Aufenthalt diente auch dazu, mir wirklich klar zu werden, ob ich außerhalb einer Urlaubs – Situation in diesem Land für längere Zeit leben kann und möchte.

Den geneigten Lesern wird die Antwort sicherlich nicht verwundern. JA – ich konnte und ich wollte …

Nun galt es aber immer noch 1 Jahr bis zu meinem 50. Geburtstag im Februar 2013 zu überbrücken. Nach einem 6 – monatigen Aufenthalt in Deutschland machte ich mich erneut mit einem „Tourist Visa ,double entry“ auf die Reise nach Bangkok. Nach 60 Tagen buchte ich eine 1 – tägige Bustour nach Kambodscha, um weitere 60 Tage in meinen Pass gestempelt zu bekommen. Nach insgesamt 3 Monaten in Bangkok brach ich dann aber wieder auf, um die Feierlichkeiten anläßlich meines 50. Geburtstages organisieren zu können.

Die wichtigste Voraussetzung ist erfüllt – Jetzt geht die Vorbereitung erst richtig los

Dann kam endlich der „Tag der Erlösung“. Endlich 50 Jahre alt und damit wurde eine der geforderten Voraussetzungen für das Retirement Visa erfüllt !

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Ich benötigte dann noch einmal 4 Monate in Deutschland, um dort alles zu regeln. Es galt einen Mieter für meine Eigentumswohnung in Frankfurt zu finden, und alle Unternehmen, mit denen man irgendwie in Geschäftsbeziehung steht über meinen Wohnsitzwechsel zu informieren.

An dieser Stelle sei gesagt, dass dies eine der zermürbendsten Arbeiten war und auch noch heute ist. Mit einem der größten deutschen Lebensversicherer bin ich bis heute nicht im Reinen, da Versicherungen, Banken aber auch andere deutsche Unternehmen an ihre Grenzen zu stoßen scheinen eine „c/o – Adresse“ oder gar eine ausländische Adresse in ihren Stammdaten einzupflegen. Leider ist eine rein elektronische Korrespondenz über Online – Postfach oder E-Mail bei den meisten Unternehmen momentan noch vollkommen undenkbar.

Wieviel Papier und Porto könnten deutsche Unternehmen sparen, wäre man doch nur etwas näher in der realen Welt und etwas weniger im Zeitalter der Postkutschen ?

Selbst Internet – Provider haben ihre liebe Mühe damit eine Sonderkündigung wegen Umzugs ins Ausland zu akzeptieren. Hier scheint es in der Software keinerlei Möglichkeiten zu geben den Kunden als endgültig verloren zu kennzeichnen. Nach meiner Sonderkündigung steckte jeden Tag ein Angebot mit einem noch besseren und noch günstigeren Tarif im Briefkasten und ebenso wurden Scharen von Call – Center – Mitarbeitern damit beschäftigt, mich telefonisch doch zu einem Umdenken zu bewegen und doch bei dem ehemaligen Provider zu bleiben. Nach mehreren Tobsuchtsanfällen am Telefon erhielt ich dann scheinbar doch ein Kennzeichen in der Datenbank, dass man unter Androhung einer Unterlassungsklage nach Möglichkeit vermeiden solle bei mir anzurufen !

Unglaublich, auf welchem Stand sich so manches CRM – Tool wirklich großer und führender Firmen (auch DAX – Unternehmen) einer Industrienation Deutschland befinden !!!

Ich sehnte mehr und mehr den 1. Juli 2013 herbei. Dann hätte der Spuk endlich ein Ende. Ob mit gutem oder schlechtem Ausgang. Hauptsache weg …

Das Problem mit dem Umzug – Wie bringe ich meine Sachen nach Thailand?

Leider bestand jedoch vor dem Umzug noch das Problem – äähhh die Herausforderung (so hat man das ja mal in Managerseminaren gelernt) eine 90 qm große Wohnung in 3 Koffern mit nicht mehr als 40kg Gesamtgewicht zu packen. Für mich war klar, dass ich keinerlei Möbel mit nach Thailand nehmen würde. Auch bei allen anderen Sachen rechnet sich der Transport einfach nicht. Schließlich steht kein Arbeitgeber hinter mir, der alles bereitwillig bezahlt. Neben einem Container, dem Transport von Frankfurt an einen Seehafen, der Seefracht, einem Zollagenten in Bangkok und dem Transport vom Hafen ins Zentrum Bangkoks wäre vor allem eine größere Summe Einfuhrzoll zu bezahlen gewesen. Befreit vom Einfuhrzoll sind nämlich nur die Glücklichen mit einer Arbeitserlaubnis, einem beruflich veranlassten Umzug und einer Einfuhr innerhalb von 3 Monaten nach Einreise !

Wie sollte ich diese Herausforderung also meistern ???

Statt der erlaubten 40kg hatte ich 57,8kg eingechecktes Gepäck. Hier wurden für 7kg Übergepäck insgesamt 140 EUR bei der SriLankan Airlines fällig. Der Rest ging auf Kulanz. Statt der erlaubten 2 Handgepäckstücke mit nicht mehr als jeweils 7kg hatte ich 2 Handgepäckstücke mit jeweils 12kg. Die jeweils 5kg Differenz habe ich jedoch erst nach dem Check In am Flughafen zugepackt. Ein Kumpel flog 2 Wochen später mit wenig eigenem Gepäck nach Bangkok und nahm mir netter Weise einen weiteren Koffer mit 25kg Gewicht mit. Ein Paket – 17kg schwer – ist mit DHL für 94 EUR Versand-kosten auf den Weg gebracht worden und wurde hier nach 15 Tagen frei Haus angeliefert. Es beinhaltete vor allem längere Gegenstände, die selbst diagonal in meinen größten Koffer nicht gepasst hätten. Der Rest des Volumens wurde mit alten Klamotten, Betttüchern und Handtüchern belegt, so dass auch der Zoll in Bangkok nichts zu beanstanden hatte. Meines Wissens ist die Einfuhr von Kleidern und Büchern für den persönlichen Bedarf in Thailand zollfrei.

appartment in bangkok

Und zu guter letzt habe ich in Frankfurt noch mehrere kleinere Sachen liegen, die mir nach und nach meine Freunde mitbringen, die mich im Laufe der Zeit mal in Bangkok besuchen kommen wollen oder, die ich auf Heimaturlaub dann nach und nach einmal mitbringen werde.Hier handelt es sich um Dinge, die nicht lebensnotwendig sind, die ich aber gerne aus ideellen Gründen und weniger aus materiellen Gründen aufheben möchte. Eigentlich bräuchte man aus materiellen Gründen fast nichts mit nach Thailand zu bringen, da ich alleine für die 140 EUR Übergepäck – Gebühr bei Sri Lankan die Sachen 3 Mal hätte in Bangkok neu kaufen können. Aber wie gesagt darf man ja nicht alle Andenken aus rein materieller Sicht betrachten und beurteilen !

Der große Rest meines Hab und Guts in Frankfurt wurde an Familie und Freunde verschenkt oder über ein großes Internet – Auktionsportal mit 4 Buchstaben verkauft.

Behördengänge, Visa und Bankkonto in Thailand

Ich hatte ja bereits beim thailändischen Generalkonsulat in Frankfurt mein Retirement Visa, multiple entry oder wie es offiziell heißt : mein Non – Immigration O-A Visa multiple entry erhalten. Dort musste natürlich auch schon das Bankguthaben nachgewiesen werden.

Bei dem Versuch der Eröffnung eines Kontos bei einer thail. Bank kam ich mir vor wie der „Hauptmann von Köpernick“. Damals wollte mir keine thail. Bank ein Konto eröffnen ohne den Besitz einer gültigen Arbeitserlaubnis und eines gültigen Visums von mehr als 90 Tagen. Ein Visum von mehr als 90 Tagen erhält man aber nur unter Vorlage eines Bankguthabens bei einer thail. Bank !!!

Zum Glück habe ich damals während meines Sprachaufenthalts in Bangkok für den Tag X vorgesorgt. Ich ließ mir ein Schreiben von der Sprachschule geben sowie ein Schreiben meines Vermieters und konnte schließlich mein 180 Tage Education Visa vorweisen. Mit all diesen Unterlagen hatte die Kasikornbank ein Einsehen mit mir und eröffnete – nach gefühlten 100 Kopien aller Seiten meines Reisepasses und gefühlten 200 Unterschriften auf allen Kopien – ein Guthabenkonto. Denn es ging ja nie um eine Kreditkarte oder einen Dispokredit, sondern immer nur um ein reines Guthabenkonto als Vorzeigegeld für die Immigration in Bangkok.

Beim Erhalt meines Retirement Visa in Frankfurt wurde mir gesagt, dass ich mich innerhalb von 48 Stunden nach Einreise in Thailand bei der zuständigen Immigration in Bangkok melden müsse, um mein Retirement Visa registrieren zu lassen. Meine Frage, ob das nicht bereits automatisch bei der Einreise in Bangkok geschehen würde, wurde verneint. Nachdem ich also am 1. Juli 2013 in Bangkok gelandet und mein Apartment bezogen hatte, machte ich mich am Dienstag den 2. Juli 2013 auf den Weg ins ca. 30 km weit entfernte Chaeng Wattana – ein Regierungsviertel im Norden Bangkoks, in dem unter anderem auch die Immigration für den Bezirk Bangkok ansässig ist. Die frühere Anlaufstelle in der Soi Suan Plu ist für Visaangelegenheiten leider nicht mehr zuständig, sondern stellt nur noch Re – entry Permits aus.

Seit diesem Jahr wurde in Thailand die Beförderungspflicht für Taxifahrer eingeführt. Nur leider ist davon nichts zu spüren. An jenem Morgen, dem 2. Juli 2013 stoppte ich ca. 10 Taxifahrer, von denen 5 Fahrer die Fahrt wegen der großen Entfernung ablehnten und ich selbst ca. weitere 5 ablehnte, da sie ganz offensichtlich keinen Schimmer davon hatten, wie sie zu dem gewünschten Fahrtziel gelangen sollten. Mit Hilfe der Security vor meinem Apartmenthaus gelang es dann doch irgendwann einen Taxifahrer davon zu überzeugen die „lange“ Fahrt zu übernehmen. Mehr oder weniger glücklich im Immigration Office, Chaeng Wattana nach 90 – minütiger Fahrt angekommen erlebte ich DIE Überraschung.

sonnenuntergang in bangkok skyline

Die Dame am Informationsschalter schaute mich fragend an, was ich denn hier wolle ??? Ich hätte doch schließlich gestern bei der Einreise am Flughafen meinen Stempel bis zum 30. Juni 2014 bekommen. Ich solle mich also in 90 Tagen zum ersten Report wieder einfinden ! Desweiteren verweigerte Sie mir auch die Ausstellung eines Residence Cerificate, dass ich zur Beantragung meines Thai – Führerscheins benötigt hätte. Ein Residence Certificate könne erst nach dem ersten Report ausgestellt werden, da ich überhaupt erst dann im Computer der Immigration auftauchen würde.

Nun gut – ins nächste Taxi gestiegen (auf der Rückfahrt ins Zentrum Bangkoks gibt es nie Probleme ein Taxi zu finden), erneut 90 Minuten im Stau verbracht und rund 700 THB – für die Fahrten und die Maut – ärmer, kam ich unverrichteter Dinge wieder zu Hause an. Mit dem Wissen, dass ich diesen Trip ab sofort alle 90 Tage zum Report machen „darf“ …

Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass die ganzen Erlebnisse individuell mein Erlebnisse waren. Soll heißen, dass jederzeit und personenabhängig wieder alles ganz anders sein kann. Das muss man eben wissen, wenn man sich auf das Abenteuer Thailand einlässt …